Wie die EU insgeheim von der CIA gesteuert wurde (I)

Dass die Gründung der EU lange Zeit insgeheim von der CIA gesteuert wurde, blieb bis heute ein wohl gehütetes Geheimnis. Aus gutem Grund. Denn sonst hätten wohl Viele die seltsame Konstruktion hinterfragt, in der die de-facto-Regierung, nämlich die EU-Kommission, demokratisch gar nicht legitimiert, weil nicht gewählt, ist.

Autor: Wolfgang Freisleben

EU-Gipfeltreffen am 25. März 2017 in Rom: Wenig Anlass für große Feiern

Am 25. März 2017 feierten die EU-Führer in Rom 60 Jahre Existenz der „Römischen Verträge“, mit denen die EU formell gegründet worden war. Sie feierten damit aber auch die Vereinigten Staaten von Amerika, unter deren Druck und Lenkung eine Europäische Union zusammengebaut wurde, deren Fehlkonstruktion immer mehr zutage tritt. Im Süden Europas ist die „Magie“ des europäischen Traums verblasst. Das deutsch-französische Paar steht inoffiziell vor der Scheidung. Und die hastige Integration der osteuropäischen Länder war ein glatter Misserfolg.

Gleichzeitig müssen wir zusehen, wie die Briten mit dem Brexit einem Europa ein Ende setzen, in das sie einst von den Amerikanern hineingezwungen wurden. Denn die Briten waren ursprünglich am 4. Jänner 1960 gemeinsam mit der Schweiz, Norwegen, Österreich, Dänemark, Portugal und Schweden Mitbegründer der Europäische Freihandelszone EFTA.

EFTA als Freihandelsorganisation von den USA nicht geduldet

Kurz danach schockte die Regierung in London die neuen Verbündeten mit der Nachricht, der 1958 gegründeten EWG beitreten zu wollen und stellte tatsächlich am 9. August 1961 den ersten Aufnahmeantrag. Für die Bündnispartner war dieser plötzliche Schwenk natürlich völlig unverständlich. Da die EFTA noch nicht gefestigt war, kamen alle sieben Mitglieder in der Londoner Erklärung vom 28. Juni 1961 überein, mit der EWG Beziehungen aufzunehmen. In deren Brüsseler Zentrale arbeiteten damals bereits 5.000 Mitarbeiter, während für die EFTA an ihrem Sitz in Genf 150 ausreichten.

US-Staatssekretär George Ball: EFTA nicht geduldet

Der frühere Staatssekretär im US-Außenministerium, George Ball, erklärte später, dass Washington die britische Regierung massiv zu einem Beitritt zur EWG gedrängt hätte und gleichzeitig Verhandlungen zwischen der EWG und der EFTA in Hinblick auf eine rein wirtschaftliche Zusammenarbeit als nicht wünschenswert erachtete, damit der politische Gehalt der EWG nicht verwässert würde. Großbritannien und seine NATO-Alliierten in der EFTA sollten daher durch einen Beitritt zur EWG deren politische Zielsetzung untermauern.

Ball ließ damals auch durchblicken, dass eine Freihandelszone für ganz Westeuropa ohne politische Ausrichtung von den USA nicht geduldet würde. Nach den Regieanweisungen der USA sollte daher die kaum noch richtig gegründete EFTA gleich wieder aufgelöst werden.

De Gaulle wollte ein „Europa der Vaterländer“

Doch der französische Staatspräsident Charles de Gaulle unterlief die Befehle aus Washington am 14. Januar 1963 mit einer politischen Bombe. Um die Entstehung eines mächtigen zentralisierten Blocks in Europa nach den Wünschen der USA zu verhindern, blockierte das EWG-Mitglied Frankreich durch sein Veto den Beitritt Großbritanniens.

Verhinderte 10 Jahre den EWG-Beitritt der Briten: Charles de Gaulle

Damit waren auch die Beitrittsgesuche von Norwegen und Dänemark sowie die Assoziationsbemühungen der drei Neutralen Schweiz, Österreich und Schweden vom Tisch. Charles de Gaulle lehnte einfach die Brüsseler Integrationsphilosophie, die von seinen Vorgängern bis zu seinem Amtsantritt am 29. Mai 1958 devot mitgetragen worden war, rundweg ab.

Grundlage der Einigung Europas sollte seiner Meinung nach nicht die Abtretung nationaler Souveränitätsrechte an überstaatliche Behörden sein, sondern vielmehr die Bewahrung und Kräftigung der bestehenden Nationalstaaten. Er wollte also einen europäischen Zusammenschluss, aber nur in Form einer Allianz zwischen souveränen Regierungen – ein “Europa der Vaterländer“, wie er es nannte.

Dank de Gaulle konnte die EFTA mit ihrer Arbeit beginnen. Nach Abschluss des großen Freihandelsvertrages von 1972 mit der Europäischen Gemeinschaft erlebten beide Blöcke ihre besten Jahre mit Prosperität, Wirtschaftswachstum, Wohlstandsvermehrung und Vollbeschäftigung. Auch Finnland (assoziiertes Mitglied 1961, Vollmitglied 1986), Island (1970) und Liechtenstein (1991) waren schließlich der EFTA beigetreten.

Charles de Gaulle starb am 9. November 1970. Danach nahm die Zentralisierung ungehindert wieder Fahrt auf und der US-Lobbyist Jean Monnet setzte seine subversive Tätigkeit mit Bravour fort. Er hatte hinter den Kulissen in den wichtigsten Ländern willige Handlanger rekrutiert, die dann als Politiker mit massiver Unterstützung Washingtons an vorderster Front Karriere machten und die Geschicke der EU in die von den USA gewünschte Richtung lenkten.

Nach dem Beitritt von Dänemark und schließlich doch – mit 10jähriger Verspätung – dem Vereinigten Königreich (1973), Portugal (1986) sowie Finnland, Österreich und Schweden (1995) zur Europäischen Gemeinschaft (EG) und dem damit einhergehenden Austritt aus der EFTA umfasst diese nunmehr als sogenannte „Rest-EFTA“ nur noch vier Staaten, nämlich Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz. Mit Ausnahme der Schweiz bilden diese Länder heute zusammen mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), während die EU und die Schweiz ihr Verhältnis durch bilaterale Verträge regeln.

EU-Gründung von den USA vorbereitet und von der CIA finanziert

Über die Hintergründe der holprigen EWG-Gründung mit dem Zwang zu einer zentralistischen Organisation und die Zerschlagung der EFTA hatte die britische Zeitung „The Telegraph“ am 19. September 2000 einiges zu berichten. Zugrunde lagen kurz zuvor frei gegebene amerikanische Regierungsdokumente, denen zufolge die US-Geheimdienste in den 50er und 60er Jahren eine gezielte Kampagne finanzierten und lenkten, um ein zentralistisch regiertes Vereinigtes Europa durchzusetzen. Diese Dokumente sind in der Bibliothek der Georgetown University in Washington archiviert.

Gelenkt und finanziert wurde demnach die EU-Gründung vom US-Auslandsgeheimdienst Central Intelligence Agency (CIA). Als zwischengeschaltete Organisation diente von 1948 bis 1960 das „Amerikanischen Komitee für ein Vereintes Europa“ (American Committee on United Europe – ACUE). Dieses wurde von der unter Rockefeller-Einfluss stehenden Ford Foundation, der Rockefeller-Stiftung und von regierungsnahen Unternehmensgruppen finanziert.

Das Ziel ist heute rückblickend unter Berücksichtigung des – im Moment gestoppten – Freihandelsabkommens TTIP klar erkennbar: Aus Europa sollte ein einheitlicher Absatz-, Investment- und Finanzmarkt für US-Konzerne und amerikanische Produkte geformt werden, der bequemerweise zentral gelenkt wird, wofür Lobbyisten in Brüssel nach dem oligarchischen Beispiel Washingtons mit dem nötigen – finanziellen – Nachdruck sorgen.

CIA-Chefs unter sich: Walter B. Smith (li.) und Allen W. Dulles (M.)

Erster Geschäftsführer der ACUE war der als Zivilanwalt getarnte William Joseph Donovan, ehemaliger Geheimdienstchef des Office of Strategic Services (OSS), der Vorläuferorganisation der CIA. Im ACUE-Vorstand saßen auch der erste CIA-Direktor Walter Bedell Smith und weitere offizielle und verdeckte ehemalige OSS-Agenten, die in der CIA aus- und eingingen.

Als Stellvertreter fungierte Allen Welsh Dulles, der von 1953 bis 1961 die CIA als Direktor leitete und gemeinsam mit seinem Bruder John Foster Dulles als US-Außenminister bestimmenden Einfluss auf die Entstehung der EWG ausübte. Dieses innige Engagement des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes kann kaum überraschen. Operierte die Agency doch auch in vielen anderen Ländern auf allen Kontinenten in verdeckter Mission, um Regierungen zu stürzen und solche an die Macht zu bringen, die den USA genehm waren.

Ein von Donovan unterzeichnetes Memorandum vom 26. Juli 1950 enthielt bereits Instruktionen für eine Kampagne zur Schaffung eines Europäischen Parlaments.

(Fortsetzung folgt)