Wie das Internet von den US-Konzernen manipuliert wird

Die Internet-Konzerne greifen zunehmend auf die vermittelten Text-Inhalte zu. Unter Druck von Regierungen dringen abweichende Sichtweisen bei Google, Facebook und Wikipedia immer zäher durch. Doch Demokratie bedarf der unabhängigen Information. Eingriffe der US-Konzerne können daher die demokratische Gesellschaft in Europa gefährden.

Autor: Wolfgang Freisleben

Spätestens seit den vorjährigen Präsidentschafts-Wahlen in den USA stehen die US-amerikanischen Internet-Giganten im Fokus, wenn es um Macht und Einfluss geht. Seit damals ist uns auch bewusst, dass über das Internet Fakten und Meinungen manipuliert werden können. Seither läuft ein weltweiter Krieg um die Vorherrschaft über die Meinungsbildung im Internet.

Dabei schicken sich die großen US-Konzerne an, die Informationen weltweit so zu kanalisieren, dass sie den Regierungen und den Mächtigen in Wirtschaft und Gesellschaft gefallen. So soll eine zusätzliche Basis geschaffen werden, um die Milliarden-Gewinne von Facebook, Google und Wikipedia in ungeahnte Höhen zu steigern.

Indizien dafür sind jene Entwicklungen, die in den vergangenen Monaten zu erkennen waren. So fiel z.B. bei Facebook auf, dass während des deutschen und österreichischen Wahlkampfes vermehrt Profile von Nutzern über einen Zeitraum von mehreren Tagen gesperrt wurden.

Fremdfirmen entscheiden über Textinhalte im Internet

Mitarbeiter der Bertelsmann-Dienstleistungsfirma Arvato in Berlin-Spandau: Internet-Zensur im Auftrag von Facebook

Bei Nachforschungen erhielt man die Mitteilung, dass als Ursache ein nicht näher genannter „Verstoß gegen die Regeln“ identifiziert wurde. Festgestellt wird ein derartiges Delikt von eigens beauftragten Fremdfirmen, bei denen junge, rasch geschulte Leute in Sekundenschnelle darüber entscheiden, was wahr ist – oder angeblich nicht. Oder genauer: Was genehm ist oder nicht.

In Berlin-Spandau sind rund 700 Mitarbeiter der Bertelsmann-Dienstleistungsfirma Arvato im Auftrag von Facebook damit beschäftigt, rund um die Uhr Inhalte zu prüfen und zu löschen. Dort werden Sperren verhängt, Posts überprüft und gelöscht bzw. ganze User-Accounts stillgelegt und dafür gesorgt, dass gewisse Informationen – verstärkt beispielsweise vor der letzten Bundestagswahl durch einen speziellen Filtermechanismus – nicht an die Masse der Facebook-User durchdringen.

Ein weiteres Zentrum in Essen wird nicht von Arvato, sondern vom europäischen Anbieter Competence Call Center mit 500 Mitarbeitern betrieben.

Wie die Deutschen Wirtschafts Nachrichten (DWN) berichten, war in den vergangene Monaten überdies mit erkennbarer Beschleunigung die Tendenz zu beobachten, dass Unabhängige Internet-Medien, die sich ausschließlich den Lesern verpflichtet fühlen, von den Giganten des Internet gezielt zurückgedrängt werden. Die betroffenen Medien berichten journalistisch unabhängig und verständlich über Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Kampf um Werbeeinnahmen mit zunehmender Härte

Gratis-Suchmaschine Google: Werden bezahlte Inhalte bevorzugt?

Die Manipulationen im Internet verlaufen allerdings schleichend und intransparent. Das Ziel: Die Technologie-Konzerne wollen die Werbeeinnahmen von journalistischen Medien abzweigen und selber übernehmen.

Um in ihren Geschäften nicht gestört zu werden, sind die Internet-Konzerne außerdem zu jeder Gefälligkeit bereit, mit denen sie Ärger mit den Regierungen vermeiden können. Das wurde am Beispiel Facebook im deutschen Wahlkampf und mit dem neuen deutschen Zensurgesetz augenscheinlich demonstriert.

Der nächste Schritt sind Deals mit den großen Verlagen – diese können sich prominente Platzierungen erkaufen. Die einstigen Versprechungen der Konzerne vom freien, neutralen und vielfältigen Internet haben sich als Marketing-Phrasen entpuppt, um Leser und Medien in die Falle zu locken:

Von der Gratis-Droge umnebelt, haben sich alle zu Facebook hinziehen lassen. Sie haben gehofft, dass Google die Suchresultate objektiv darstellt. Wikipedia wurde als neutrales Lexikon gepriesen.

Die DWN sehen es indes anders und greifen die Konzerne an: Google sei zum Inbegriff der Manipulation geworden; als Facebooks Kerngeschäft vermuten die DWN Agitation – ohne dies näher zu definieren; und Wikipedia habe sich auf die Denunziation spezialisiert.

Die neue Welt der Medienmanipulation

Das sind zwar harte Vorwürfe. Doch es gilt in jedem Fall der Grundsatz: „Wehret den Anfängen“.

Denn immerhin seien diese drei US-Giganten die „Gatekeeper“, die heute über Erfolg und Misserfolg von Medienangeboten unabhängiger Unternehmen entscheiden, resümieren die DWN.

Beispiel Google: Hier verweisen die DWN auf die Überprüfung von Suchergebnissen – zu ganz unverfänglichen Begriffen. Der Befund:

Sie werden kaum Blogs, alternative Medien oder interessante Einzelstimmen finden. Es hat den Anschein, dass Bedingung für eine prominente Platzierung die Übereinstimmung mit allen anderen Quellen ist. Abweichende Informationen sind Fehlanzeige.“

Es empfiehlt sich das Buch „Google meets Wikileaks“: Darin zeigt Julian Assange am Beispiel von Google-CEO Eric Schmidt, dass der Konzern für die US-Regierung und die angeschlossenen Manipulations-Agenturen arbeitet – und nicht für die Nutzer.

Gratis-Enzyklopädie Wikipedia: Werden hier aus Denunziationen auch Fakten gemacht?

Beispiel Facebook: DWN hält Facebook vor, bei der US-Regierung zu Kreuze zu kriechen, weil angeblich die Russen für die Niederlage von Hillary Clinton verantwortlich seien. Sie sollen durch Posts auf Facebook die US-Wahl beeinflusst haben.

Es mag sogar stimmen, dass die Russen Facebook instrumentalisiert haben. Es stimmt allerdings auch, dass es mittlerweile tausende von Agitatoren gibt, die Facebook verwenden, um Falschmeldungen, Aufwiegelungen oder PR-Aktionen zu lancieren.

Beispiel Wikipedia: Hier fordert DWN auf: „Versuchen Sie einmal, einen der vielen unsachlichen „Sichter“ bei Wikipedia zu überzeugen, dass eine von einem anonymen Autor verfasste Passage falsch ist oder eine Denunziation. Sie werden bald aufgeben und sagen, dass die DDR-Bonzen vergleichsweise flexibel im Kopf waren im Vergleich zu den vielen Apparatschicks, die sich in die völlig intransparente Hierarchie der angeblich „ehrenamtlich“ erstellten Text-Ungetüme eingeschlichen haben. Die Bürokraten greifen bei abweichenden Interpretationen im Zweifel Behauptungen von anderen Ideologen auf und versuchen hartnäckig, aus Denunziationen Fakten zu machen.“

Unabhängige Information ist ein kostbares Gut

Aus diesen Erkenntnissen heraus resümieren die DWN: Eine Gesellschaft, deren Informationen in hohem Maß durch Manipulation, Agitation und Denunziation entstellt werden, sei zum Scheitern verurteilt. Die Kontrolle der Mächtigen sei nur in einem auf Diversität beruhenden medialen Öko-System möglich.

Eines ist jedenfalls klar: Jede Gesellschaft braucht unabhängige Medien, die sich auf keinen Spin einlassen und konsequent hinterfragen, was hinter den vielen Märchen steckt, die die Mächtigen uns täglich auftischen.

Unabhängige Information ist daher in den europäischen Demokratien eine kostbares Gut. Wird dieses den Bürgern vorenthalten oder verfälscht, besteht größte Gefahr für die demokratische Gesellschaft Europas.

Unabhängige Medien sind allerdings auf ihre Leser angewiesen. Die abweichende Meinung kann nicht gratis erstellt werden. Sie erfordert journalistische Handarbeit, die über den Papageien-Journalismus der Agentur-Nachplapperer hinausgeht.

Die „Deutschen Wirtschafts Nachrichten“ wie auch „freisleben-news.at“ verstehen sich als solche Medien. Sie bedürfen aber der Unterstützung ihrer Leser in dem brutalen Verdrängungskampf, den die Internet-Giganten eröffnet haben.