Warum die Reichen immer reicher werden

Die größten Profiteure der Nullzins-Politik der Zentralbanken sind die Reichen. Die Millionäre wurden 2016 um 8,2 % reicher. Ihre Zahl stieg um fast 8 % auf ein Allzeithoch von rund 16,5 Millionen Menschen weltweit, mit einem Rekordvermögen von 63,5 Billionen US-Dollar. Sie hatten 31 % ihres Vermögens in die haussierenden Aktienmärkte investiert und erzielten eine Jahresrendite von 24,3 %.

Autor: Wolfgang Freisleben

Wer sagt denn, dass Quantitative Easing (QE) und die Nullzins-Politik der großen westlichen Notenbanken US-Federal Reserve (Fed), Bank of England (BoE), Europäische Zentralbank (EZB) und Bank of Japan (BoJ) keinen Erfolg haben? Es sind in erster Linie einstige Spitzen der Zentralbanken wie der frühere BoE-Gouverneur Sir Mervyn King oder Ökonomen, die ihre Zweifel haben. Denn die Geldpolitik hatte jahrelang ihr – zumindest öffentlich postuliertes – Ziel verfehlt, Wirtschaftswachstum und Inflation zu stimulieren.

Ehemaliger BoE-Gouverneur Mervyn King: Äußerte Zweifel an der Tauglichkeit der QE-Strategie

Sie rätseln auch, warum die Mittelklasse weltweit kollabiert – und zwar auch in den USA. Die Reichsten hingegen werden immer reicher.

Somit ist die Frage berechtigt: Arbeiten die Zentralbanken in erster Linie für die Reichen? Die Antwort lautet: Durchaus.

Die Reichen“ sind allerdings keine homogene Klasse. Denn heute genügt es in der Finanzwelt nicht mehr, „nur“ Millionär zu sein. Das läßt sich aus der Unterscheidung schließen, die das internationale Beratungs- und Analyseunternehmen „CapGemini“ in seinem jüngsten „Global Wealth Report“ trifft.

Die Trennung erfolgt in Reiche mit einem investierbaren Vermögen von 1 – 5 Millionen US-Dollar (USD), also gleichsam „der Millionär von nebenan“. Weiters jene mit Vermögen zwischen 5 und 30 Millionen; und schließlich die „wahrhaft Reichen“, die mehr als 30 Millionen USD zur Verfügung haben – also die Ultra-HNWIs. Wobei HNWI „High Net Worth Individual“ bedeutet – ein Ausdruck für Vermögende, der in der Finanzindustrie verwendet wird.

Die Inflation gibt es schon längst an den Aktienmärkten

Wer sich nun wundert, wo denn die Inflation bleibt, die von der Weltwirtschaft erwartet wird, der kann beruhigt sein: Es gibt sie schon längst. In der Realwirtschaft erst seit Kurzem und eher spärlich. An den Immobilienmärkten hingegen unübersehbar, an den Finanzmärkten geradezu explosionsartig.

Die historische, beispiellose Aktien-Blase, die von einer ebenso beispiellosen koordinierten Geldpolitik der Zentralbanken befeuert wird, dauert nun schon mehrere Jahre an. Erfolgreich war die Politik vor allem insofern, wenn es das Ziel war, die Reichsten dieser Welt noch reicher zu machen, als sie es sich selbst erträumt haben. Die als Millionäre qualifizierten Menschen hatten dementsprechend im 2. Quartal 2017 weltweit 31,1 % ihrer Finanzaktiva in Aktien investiert – verglichen mit 24,8 % im Jahr 2016.

Der Anteil der festverzinslichen Wertpapiere blieb stabil bei 18 %, während das Cash-Vermögen von 23,5 Prozent auf 27,3 Prozent stieg. Alternative Anlagen wie Hedgefonds, Derivate, Devisen, Rohstoffe und Private Equity gingen von 15,7 Prozent auf 9,7 Prozent zurück. Zu riskant angesichts der dünner gewordenen Luft an den Börsen und der geopolitisch angespannten Lage.

Schon 2013 hatte sich der Vermögenswert der globalen Millionäre, der bei den Meisten aus „Papier-Gewinnen” von Finanzveranlagungen besteht, um fast 14 % auf 52,6 Billionen USD erhöht. 2015 lag dieser Betrag mit 58,7 Billionen USD um weitere 11,6 % höher. 2016 um weitere 8% bei einem Rekordvermögen von 63,5 Billionen USD.

US-Aktienindex Dow Jones: Repräsentativ für die Kursgwinne der Aktienveranlagung. Grafik: APA

Seit dem Jahr 2000, als die vor allem von Goldman Sachs fabrizierte erste HighTech-Blase platzte, ist deren Vermögen trotz aller Krisen um 42 % gestiegen. Die Entwicklung des Dow Jones Index der 30 wichtigsten Unternehmens-Aktien an der New York Stock Exchange in der Wall Street vermittelt repräsentativ und eindrucksvoll, warum.

Wann die gegenwärtige Aktien-Blase platzt, ist nicht vorauszusagen. Sicher ist aber: Je höher die Zinsen steigen, umso enger wird es an den Börsen. Denn dann wollen mehr hinaus als hinein.

Die Anzahl der Millionäre ist weltweit von 2013 bis 2016 von 14,9 um 10,7 % auf ein Allzeithoch von rund 16,5 Millionen Menschen gestiegen. Alle Anderen auf diesem Globus, und das sind rund 7,47 Milliarden Menschen, können nur zusehen. Denn ihnen fehlen die finanziellen Mittel und das Fachwissen, um an der Börsen-Sause teilzunehmen.

24,3 % Jahresrendite mit Wertpapierportfolios

2016 erzielten die Millionäre laut Analyse von CapGemini im Durchschnitt eine Rendite von 24,3 % auf den von Vermögensverwaltern gesteuerten Anlageportfolios. Das Vermögen von HNWI‘s mit einem investierbaren Vermögen von einer Million US-Dollar oder mehr stieg 2016 um 8,2 % und ist auf bestem Weg, 100 Billionen Dollar bis 2025 zu übertreffen.

Etwa 1,15 Millionen Menschen wurden letztes Jahr als neue Millionäre registriert, heißt es in dem aktuellen World Wealth Report. Die Vereinigten Staaten, Japan, Deutschland und China weisen die meisten Millionäre auf und machen zusammen fast zwei Drittel der Gesamtzahl aus.

In den USA stieg ihre Zahl von 4,46 auf 4,8 Millionen, während die Zahl der Millionäre in China von knapp über 1 Million auf 1,13 Millionen anstieg.

Der asiatisch-pazifische Raum, Europa und Nordamerika trugen gleichermaßen zum Anstieg des Reichtums bei. Russland, Brasilien und Kanada haben ihren Trend nach einem Rückgang vor einem Jahr umgedreht, heißt es in dem Bericht. Russland, unterstützt durch eine Erholung an der Börse, erlebte sowohl einen Anstieg der Zahl seiner Millionäre als auch ihres Vermögens um etwa 20 Prozent.

Frankreich hat Großbritannien in Bezug auf die Anzahl der Millionäre aus den Top 5 verdrängt, unterstützt durch eine Verteuerung der Immobilien. Schweden verdrängte Singapur – das einen Wertverlust an den Aktienmärkten verzeichnete – aus den Top 25.