Syrien: US-Militär sucht direkte Konfrontation mit Russland

Das US-Oberkommando im Nahen Osten scheint mit dem Islamischen Staat (IS) zu kooperieren, um Russland zu provozieren. Drei russische Offiziere wurden beim Besuch einer syrischen Stellung in Deir ez-Zor getötet. Eine Kriegserklärung. Im Osten Syriens wollen die Amerikaner die Ölfelder den Kurden in die Hände spielen. Das NATO-Mitglied Türkei stellt sich nunmehr auf die Seite von Wladimir Putin.

Autor: Wolfgang Freisleben

Trotz aller Fehlschläge arbeitet das US-Zentralkommando für den Nahen Osten intensiv an einer weiteren Eskalation des Bürger- und Stellvertreter-Kriegs in Syrien. Und schreckt dabei vor nichts zurück. Auch nicht vor der direkten Konfrontation mit Russland auf den syrischen Schlachtfeldern.

Das würde den 3. Weltkrieg bedeuten. Die Vereinigten Staaten setzen dabei natürlich auf die Unterstützung der NATO-Staaten. Was insofern einfach ist, als sie bereits seit 9/11, dem Terrorangriff auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001, den Beistandsfall ausgerufen haben, der noch immer gilt.

Russland kann nicht nur auf die Unterstützung des Iran, der libanesischen Hizbollah und wohl auch Chinas setzen. Bei einem Blitzbesuch von Russlands Staatspräsident Wladimir Putin bei türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Ankara demonstrierten beide Einigkeit:

Russlands Präsident Wladimir Putin beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan: Abstimmung über die aktuelle Strategie in Syrien

Beim Thema territoriale Integrität, sei es die des Iraks oder Syriens, sind wir einer Meinung“, sagte Erdogan. Putin verwies auf die Haltung seiner Regierung, wonach das Unab-hängigkeitsreferendum der Kurden im Irak das Land nicht destabilisieren dürfe.

Erdogan betonte, das Referendum, bei dem fast 93 Prozent für eine Abspaltung der Kurdenregion stimmten, habe „überhaupt keine Legitimität“.

Leider hat die Regionalregierung, indem sie das Referendum trotz aller freundschaftlichen Warnungen abgehalten hat, einen großen Fehler begangen.“ Erdogan kündigte nicht näher benannte „Maßnahmen“ gegen die kurdische Führung an. Zuvor hatte er gedroht, die Ölexporte der Kurdenregion über die Türkei zu stoppen. Er hatte auch militärische Schritte nicht ausgeschlossen.

Vor Kurzem hat Erdogan S-400-Luftabwehrraketen bei Russland statt beim NATO-Partner USA gekauft, was in Washington für gehörige Verstimmung sorgte..

USA wollen dem Islamischen Staat neues Leben einhauchen

Russland dürfte inzwischen Beweise dafür haben, dass Washington mit der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) bei Angriffen auf russische Streitkräfte in Syrien zusammenarbeitet. Damit hoffen die Amerikaner offenbar, ihre stark geschwächten Positionen auf den Schlachtfeldern des Nahen Ostens wieder aufrichten zu können.

Ehemaliger US-Minister Paul Craig Roberts: Berichtet über amerikanische Kooperation mit dem IS

Und dafür ist den amerikanischen Oberbefehlshabern jedes Mittel recht. Auch wenn nichts anderes als Chaos heraus kommt.

Wie Paul Craig Roberts, der einstige stellvertretende US-Finanzminister während der Regierung Reagan, auf seiner Website berichtet, hätte der IS zunächst versucht, in einem von Washington gesteuerten Angriff 29 russische Militärpolizisten als Geiseln gefangen zu nehmen. Russische Spezialeinheiten hätten das durch rasches Eingreifen verhindert und dem IS schwere Verluste zugefügt.

Bei einem weiteren, gleichfalls von Washington gesteuerten punktgenauen Granatwerfer-Angriff, sind am 24. September der russische Drei-Sterne-General Valery Asapov und zwei weitere russische Offiziere getötet worden, während sie gerade einen Kommandoposten der syrischen Armee in Deir ez-Zor besuchten. Dieser hatte vor einigen Wochen entscheidend zur Befreiung der Stadt beigetragen.

Was natürlich stutzig macht: 3 Jahre lang hatte der IS syrische Truppen in der Stadt Deir ez-Zor und den Flughafen belagert. Es war nicht einmal gelungen, das syrische Hauptquartier erfolgreich anzugreifen, geschweige denn hochrangige Offiziere zu töten.

Nun, da die Terroristen von US-Spezialkräften „beraten“ werden und nördlich von Deir ez-Zor operieren, verfügt der IS plötzlich über Geheimdienstdaten, Satelliten-gesteuerte Zielsysteme und Präzisions-Granatwerfer, um eine Gruppe russischer Offiziere aus einer Entfernung vom mehreren Kilometern zu killen? Mit Waffen also, über die eigentlich nur amerikanische Spezialeinheiten verfügen!

Die Ölfelder im Osten Syriens: Das US-Militär unterstützt kurdische Milizen, um die Kontrolle über Ölfelder zu erlangen

Während Washington die Anschuldigungen, ein Stillhalteabkommen mit dem IS zu praktizieren, dementierte, griffen Truppen der Syrisch-Demokratischen-Kräfte (SDF), einer überwiegend kurdischen Miliz, die vom US-Militär unterstützt wird, kürzlich Positionen der Syrisch Arabischen Armee im Gouvernement Deir ez-Zor an. Ziel war es offenbar, die Kontrolle über die öl- und gasreiche Region im Osten Syriens zu erlangen.

US-Regierung von mächtigen Interessensgruppen gesteuert

Früher oder später wird es der russischen Regierung dämmern, dass in Washington keine rationale Regierung sitzt, mit der Diplomatie praktiziert und Frieden verfolgt werden kann; es können auch keine Vereinbarungen getroffen werden“, warnt Roberts.

Er meint sogar, dass in Washington „fernab jeglicher Rationalität eine verbrecherische und verrückte Ansammlung von Psychopathen herrsche, die dem Militär- und Geheimdienst-Komplex hörig seien, der wiederum von der Gier nach weiteren enormen Gewinnen getrieben wird.“

Weißes Haus in Washington: Krieg ist in den USA ein lukratives    Profit-Center für mächtige Interessengruppen

Roberts deutlich: „Mit anderen Worten: Für die mächtigen Interessensgruppen, die die US-Regierung kontrollieren, ist Krieg ein Profit-Center. Keine Anstrengungen der russischen Diplomatie können etwas gegen diese Konstellation ausrichten.“

Das ehemalige US-Regierungsmitglied bedauert, dass die russische Regierung nicht erkannt hätte, worum es wirklich gehe. Wenn Moskau seine eigene Rationalität nicht auch von Washington erwartet hätte, wäre der Krieg in Syrien schon vor ein paar Jahren vorbei gewesen.

Stattdessen hätten die Russen in der Hoffnung auf ein Übereinkommen Stop-Go/Stop-Go praktiziert, was Washington Zeit gab, sich von dem Schock der russischen Intervention zu erholen und Pläne zu schmieden, um Syrien zu teilen und damit den Konflikt für immer zu prolongieren.

Paul Craig Roberts warnt davor, dass der Komplex von Militär und Geheimdiensten „seine rücksichtslosen Provokationen von Russland fortsetzen wird – bis wir alle tot sind.“ Gemeint ist damit wohl die Gefahr eines 3. Weltkriegs unter Einsatz von Atomwaffen.

Tod der russischen Offiziere war eine Kriegserklärung

Andere amerikanische Quellen kommentieren, dass der Tod der drei hochrangigen russischen Offiziere im ost-syrischen Deir ez-Zor als Kriegserklärung zu verstehen sei. Das US-Zentralkommando im Mittleren Osten wolle die Ölfelder in Ost-Syrien unter die Kontrolle seiner Verbündeten bringen, um in der Region einen US-hörigen kurdischen Mini-Staat einzurichten und zu kontrollieren.

Die syrische Regierung, die mit Russland verbündet ist, braucht aber die Einnahmen aus den Ölfeldern, um das Land wieder aufzubauen.

Scharfer Protest Russlands gegen al-Qaida Kooperation der USA

Schon vergangene Woche hatten die Russen einen scharfen Protest gegen die US-Kooperation mit al-Qaida-Terroristen in der Idlib-Provinz veröffentlicht und vor einer weiteren Eskalation gewarnt.

Am 24. September hat das russische Verteidigungsministerium schließlich das US-Militär in Ost-Syrien der direkten Zusammenarbeit mit dem IS beschuldigt. Demnach garantieren die Sondereinheiten der US-Armee freien Durchgang für die syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) durch die Kampfformationen der IS-Terroristen.

Diese Karte zeigt den aktuell beschriebenen Konfliktbereich: US-Stellvertreter – Gelb, Syrische Arabische Armee – Rot, IS – Schwarz):

Unter Mithilfe der IS-Terroristen sind die SDF-Einheiten am linken Ufer des Euphrat in Richtung Deir ez-Zor vorangekommen“, heißt es in der Erklärung des Ministeriums. „Die neu veröffentlichten Bilder zeigen deutlich, dass amerikanische Spezial-Einheiten an den Vorposten stationiert sind, die zuvor von IS-Terroristen eingerichtet wurden.“

Die Vorwürfe sind plausibel. Große Teile des IS in der Provinz Deir ez-Zor bestehen aus ostsyrischen lokalen Stammeskräften. Der US Sondergesandte Brett McGurk hat vor kurzem Stammesführern, die zuvor dem IS Treue geschworen hatten, bei einem Treffen Angebote gemacht. Bilder des Treffens wurden veröffentlicht.

Das Gleiche hatten die USA bei „Anbar Awakening“ im Herbst 2006 gemacht, als sie in ihrem Krieg gegen den Irak lokale sunnitische Stammesführer geködert hatten, um von al Kaida vorübergehend auf ihre Seite zu wechseln.

Derartiges könnte nun den USA helfen zu behaupten, dass sie den IS besiegt hätten. Aber sobald die Zahlungen aufhören, werden die gleichen Kräfte wieder zu ihrem alten Spiel zurückkehren.

Der lokale Kriegsverbrecher Ahmad Abu Khawla, der früher für den IS gekämpft hatte, wurde jedenfalls plötzlich als Kommandeur eines neu erfundenen „Deir ez-Zor Military Council“ installiert, der unter Kontrolle von US-Sondereinheiten eingerichtet wurde.