So betrügt Dich die Bank bei jedem Kredit

Banken erzeugen per Kredit Geld aus Luft. Ein feines Geschäft. Das Non-plus-ultra sind Fremdwährungskredite. Denn da werden Kosten für periodische Leistungen wie Konvertierungen und Refinanzierungen verrechnet, die nie stattfinden.

Autor: Wolfgang Freisleben

Das Kreditgeschäft an sich ist wahrscheinlich der größte Betrug der Weltgeschichte. Immerhin liegen die weltweiten Schulden derzeit in der Gegend von etwa 212 Billionen Dollar. Es ist aber Geld, das aus Luft erzeugt wurde. Dies lassen sich die Banken aber nicht mit Luft „zurück“ zahlen, sondern mit real erwirtschaftetem Geld. Und verlangen überdies Zinsen. Man nennt das im Fachjargon „Geldschöpfung im Geschäftsbankensystem“. Doch erst 2013 hat der an der Universität im englischen Southampton lehrende deutsche Ökonom Richard Werner erstmals in drei verschiedenen Banken empirisch nachgewiesen, was bei der Kreditvergabe in der Bilanz der Bank und auf dem Konto des Kreditnehmers tatsächlich passiert. Und zwar unter Assistenz eines Kamerateams der Londoner öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und TV-Anstalt BBC, das den Geschäftsablauf jeweils dokumentierte. Damit gelang im Gegensatz zu mehreren nie bewiesenen Theorien die Enttarnung des westlichen Geldsystems.

Tagtäglich erzeugen die privaten Geschäftsbanken durch die Kreditvergabe Geld – aus Luft. Sie sind also nicht Geld-Vermittler, die Spareinlagen weiter verleihen, sondern Geld-Produzenten. Geld ist somit gleichbedeutend mit Kredit. Dieses Buch- oder Giralgeld wird auch „Fiat“ -Geld genannt (fiat lateinisch = „es werde“, abgewandelt aus dem göttlichen Spruch „fiat lux“ – es werde Licht). Weil es nie richtig erklärt wurde, galt unser Finanzsystem jahrhundertelang als mystisch und für den „normal Sterblichen“ kaum erklärbar.

In Konsequenz der empirischen Beweise des deutschen Finanzwissenschafters und der unanfechtbaren BBC-Dokumentationen lüftete die Bank von England im März 2014 in ihrem Quartalsberichterstmals das Jahrhundertelang sorgsam gehütete Geheimnis und bestätigte hochoffiziell, dass die Geschäftsbanken mit der Kreditvergabe unmittelbar und exzessiv Geld aus dem Nichts schaffen. Daraus resultieren laut BoE rund 97 Prozent der weltweiten Geldmenge. Nur der minimale Rest geht auf das Konto der Zentralbanken.

Professor Werner legte dann am 16. Dezember 2014 mit der Veröffentlichung seiner Studie mit dem Titel „Can banks individually create money out of nothing? — The theories and the empirical evidence” im „International Review of Financial Analysis” nach.

Täuschung durch reine Software-Berechnungen

Besonders lukrativ sind für Banken Fremdwährungskredite (FX-Kredite), die am Ende der Laufzeit durch den Ertrag eines Wertpapierdepots als „Tilgungsträger getilgt werden sollten. Diese Art von Krediten wurde inzwischen aus gutem Grund von der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) verboten.

Sie hat allerdings die volle Tragweite des Betrugs verschwiegen. Denn die Banken schaffen mit dem Kredit Geld aus Luft. Sie behaupten vielmehr sogar, dass die Auslandswährung konvertiert werden musste und verrechnen dafür Spesen. Ändert sich der Wechselkurs wie zum Beispiel der Franken gegenüber dem Euro, dann wird flugs mit dem Steigen der Schweizer Währung gegenüber dem Euro auch die Schuld in Euro höher gerechnet. Auch das ist reine Fiktion. Denn der Kreditbetrag hat nie wirklich die Schweiz oder den Franken gesehen. Er wurde vielmehr von der Bank als Euro-Kredit generiert, theoretische in Franken umgerechnet, auf dem Fremdwährungs-Kreditkonto verbucht und dann wieder in Euro rückgerechnet. Gegen Spesen natürlich. Ab da arbeitet nur mehr die Software der Bank. Da ein FX-Kredit als „Roll-over-Kredit“ eingeräumt wird, muss zu den Roll-over-Terminen viertel-, halb- oder ganzjährig konvertiert werden. Die Software rechnet also den Kredit in Franken um und sofort wieder zum Tageskurs in Euro zurück. Dabei lukriert die Bank bei jedem Wechsel eine Spanne zwischen An- und Verkaufskurs. Und zusätzlich die Konvertierungsspesen.

Für den Kunden gibt es kein Entkommen. Hat er sich auf einen 3-Monats-Roll-over-Termin festgelegt, sind die Zinsen zwar geringer, aber es fallen eben vier Mal im Jahr Konvertierungs-Spesen an. Weil die Bank vorgaukelt, sie müsse eben so oft den Euro in Franken und wieder zurück tauschen (daher roll-over). Was natürlich nur Fiktion ist, wohingegen die dem Kunden verrechneten Kosten betrügerische Realität sind. Bei einem 12-Monats-Roll-over fallen die Spesen nur einmal im Jahr an, dafür sind aber die Zinsen höher. Alles natürlich fiktiv. Denn der Kredit sieht den Franken ohnedies nie. Die Berechnungen sind Fiktion, aber der Betrug ist real.

Um sich das Ausmaß der betrügerischen Gewinne zu vergegenwärtigen, genügt ein Blick auf die aktuelle Statistik. Derzeit haftet in Österreich ein Fremdwährungs-Kreditvolumen von 21,6 Mrd. Euro aus, vom ursprünglichen Spitzenwert von 36,1 Mrd. Euro wurde es also bereits um 40,3 Prozent verringert. „Währungsbereinigt“ gab es eine Verringerung des Kreditvolumens um 59 Prozent an. Das heißt, die Österreicher wurden mit dem Schwindel zunächst um sieben Milliarden durch fiktive, aber nie real eingetretene Währungsverluste abgezockt. An einem Franken-Beispiel verdeutlicht: Wer im Jahr 2008 einen damals durchaus üblichen Franken-Kredit im Gegenwert von 100.000 Euro aufgenommen hat, sitzt heute auf einem Schuldenberg von 153.000 Euro. Wozu allerdings noch die verrechneten Spesen für fiktive Roll-over Währungswechsel kommen. Die Zinsen lassen wir dabei außer Acht, weil sie ohnedies auch im Euro anfallen würden.

Mit der errechneten höheren Schuld muss der Kreditnehmer inzwischen 11.000 Euro an zusätzlichen Sicherheiten aufbringen. Der sogenannte „Tilgungsträger“ weist inzwischen eine Deckungslücke von 36.400 Euro auf. Aus dem 100.000-Euro-Kredit ist also inzwischen eine finanzielle Verpflichtung von stolzen 189.400 Euro geworden. Plus Zinsen natürlich. Der Kreditbetrag hat sich also schon fast verdoppelt.

Ein derartiges Szenario hat der Kundenberater der Bank bei der Krediteinräumung natürlich nie in Aussicht gestellt. Seine Aufgabe war schließlich der Verkauf eines Kredits. Auch der „Tilgungsträger“ ist für die Bank eine lukrative Sache, weil sie für An- und Verkauf der Wertpapiere wie auch die Verwaltung des Depots höchstmögliche Spesen in Rechnung stellt. Der Kunde wird also in mehreren Stufen regelrecht abgezockt.

In Ungarn, Polen und Kroatien haben die Regierungen die Banken zwar am entstandenen Schaden wenigstens teilweise gesetzlich zu Lösungen gezwungen, um den Schaden für die Kreditnehmer zu verringern. Doch sie hatten dabei mangels Wissen noch gar nicht die Geldschöpfung der Banken berücksichtigt.