Putin genießt international mehr Vertrauen als Trump

Putin genießt international mehr Vertrauen als Trump. In 22 von 37 Ländern weist eine Befragung des Pew Research Centers (Washington) über Russland dem russischen Präsidenten mehr Kompetenz bei internationalen Angelegenheiten zu als seinem amerikanischen Widerpart. Als Bedrohung werden USA, China und Russland von anderen Ländern in gleichem Maße angesehen.

Autor: Wolfgang Freisleben

Der russische Präsident Wladimir Putin genießt zwar wenig Vertrauen, wenn es um Weltpolitik geht. Aber er übertrifft immerhin noch sein US-Gegenstück Donald Trump.

Von 36 Ländern vertrauen 22 – darunter Deutschland, Frankreich und Japan – Putin mehr als Trump. Dies ergab die letzte Befragung des überparteilichen Pew Research Centers in Washington D.C. zwischen 16. Februar und 8. Mai 2017.

Wladimir Putin (li.) und Donald Trump (hier beim G20-Gipfel in Hamburg): Gegenspieler auf dem internationalen Parkett

Inwieweit ein Institut in der US-Hauptstadt allerdings gerade in Bezug auf Russland und dessen Präsidenten tatsächlich unabhängig sein kann, sei dahingestellt. Wer sich hinter dem Pew Charitable Trust als Eigentümer des Instituts verbirgt, ist jedenfalls unbekannt.

Umso mehr überrascht das Ergebnis: „Obwohl das Vertrauen in Putins Umgang mit internationalen Angelegenheiten im Allgemeinen niedrig ist, genießt er in vielen Ländern mehr Vertrauen als der amerikanische Präsident Donald Trump“, schrieb Pew in dem Umfrage-Bericht, der sich auf die Macht und den Einfluss Russlands konzentrierte. Daher gab es eine detaillierte Umfragestatistik lediglich für Putin, nicht aber für Trump.

Vertrauen in das richtige Handeln in internationalen Angelegenheiten.

Dennoch zeigt die Statistik, dass Putin in 22 von 37 Ländern mehr oder weniger deutlich vor Trump liegt. In Griechenland und Libanon genießt er sogar das Vertrauen von 50 Prozent der Befragten und liegt 31 Prozentpunkte vor Trump, in Deutschland immerhin 14 (siehe Tabelle).

In der amerikanischen Öffentlichkeit sprachen 53 Prozent Trump ihr Vertrauen aus. Für Putin votierten im „Feindesgebiet“ aber immerhin 23 Prozent. 

Dabei ist zu berücksichtigen, dass Putin in den USA seit Jahren zum großen Feindbild hochstilisiert wird. Keineswegs überraschend glauben umgekehrt die

meisten Russen, dass Putin das Ansehen ihres Landes in der Welt verbessert habe.

Inzwischen sind die Meinungen amerikanischer und russischer Bürger voneinander weniger gegensätzlich geworden. Die Zahl der Russen, die die USA positiv sehen, stieg auf 41 Prozent gegenüber 15 Prozent im Jahr 2015. 29 Prozent der Amerikaner zeigten eine positive Haltung gegenüber Russland; 2015 waren es 22 Prozent.

Trump schlägt Putin bezüglich Vertrauen nur in 13 Ländern, darunter neben Großbritannien auch vor allem in den anglophilen Ländern Australien, Kanada und Südafrika. Israel ist naturgemäß seiner Schutzmacht USA bedingungslos loyal gegenüber. Und auch die Zugehörigkeit von Trump-Tochter Ivanka und ihres Ehemannes Jared Kushner zum jüdischen Glauben mag dabei eine Rolle spielen.

Russland gilt in den meisten Ländern nicht als vorrangige Bedrohung

Im Vergleich zu anderen globalen Bedrohungen wie ISIS oder Klimawandel drückten die meisten Menschen rund um den Globus relativ wenig Bedenken über die Macht und den Einfluss Russlands aus. Von den 37 befragten Nationen gehört Russland nur in Polen und Jordanien zu den Top drei wahrgenommenen Bedrohungen der nationalen Sicherheit.

In den USA sehen 47 Prozent die russische Macht mit großer Sorge, obwohl weit mehr Amerikaner über ISIS, Cyberattacken und Klimawandel alarmiert sind. In Kanada sehen nur 30 Prozent die Macht Russlands als Bedrohung.

Außerhalb Polens drückte der Großteil der europäischen Öffentlichkeit zwar eine beträchtliche, aber nicht überwältigende Sorge gegenüber ihrem Nachbarn im Osten aus. Griechen (24%) und Ungarn (28%) sind am wenigsten besorgt über Macht und Einfluss Russlands.

Im Mittleren Osten sieht nur in der Türkei mehr als die Hälfte (54%) Russland als Bedrohung für ihr Land. Ansonsten ist die Sorge in der Region weniger weit verbreitet, in Israel (27%) am geringsten.

In Afrika südlich der Sahara und in Lateinamerika sehen ein Drittel oder weniger Russland als bedrohlich an. Die Ausnahme ist Kenia, wo trotz der großen Entfernung von Moskau etwa 39 Prozent große Besorgnis über die Macht und den Einfluss Russlands ausdrückten.

Insgesamt sieht etwa jeweils ein Drittel der befragten Nationen sowohl die USA als auch Russland und China als Bedrohung für ihr eigenes Land an. Kein Wunder angesichts der enormen Aufrüstung dieser Großmächte und des Strebens nach Ausbau ihrer internationalen Machtpositionen.