Migranten in geheimen Lagern auf Sizilien versteckt

Migranten in geheimen Lagern auf Sizilien versteckt. Erst nach der deutschen Bundestagswahl ist mit einer Verteilung in der EU zu rechnen. Unterdessen wirft die italienische Justiz den im Mittelmeer operierenden NGOs vor, gezielt mit Menschenhändlern zu kooperieren.

Autor: Wolfgang Freisleben

Was wird hier eigentlich gespielt? Ende Juni ruft Italien seine EU-Partner plötzlich um Hilfe und warnt vor einer neuen Eskalation der Asylkrise. Österreich richtet sich mit Panzerwagen auf eine Sperre der Brenner-Grenze zu Italien ein.

Kanzlerin Angela Merkel: So etwas kann, soll und darf sich nicht wiederholen

Doch nichts passiert. Den Mainstream-Medien genügt das Wort der deutschen Kanzlerin Angela Merkel: „So etwas wie 2015 kann, soll und darf sich nicht wiederholen.“

Medial herrscht Ruhe. Keine Photos von einem neuen Migrantenansturm. Kein Thema im Wahlkampf.
Ohne große Erklärungen verlängern die EU-Außenminister den Einsatz von Frontex, der Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache, im Mittelmeer bis Ende 2018.

Die geheimen Flüchtlingslager auf Sizilien

Auch wenn für Sommer-Touristen weder auf Malta noch in Italien ein Migrantenansturm zu sehen ist, haben die Migrationsströme auf der zentralen Mittelmeerroute nicht etwa aufgehört. Im 1. Halbjahr 2017 wurden dreimal mehr Ankommende in Spanien registriert. In Italien stieg die Zahl um 21 Prozent auf ein neues Rekordniveau.

Flüchtlinge auf See: Das Ziel ist derzeit ein Internierungs-Camp auf Sizilien

Doch wo bleiben die Migranten aus Afrika wirklich? Warum wird Angela Merkel im Wahlkampf nicht mit dem Andrängen von tausenden Afrikanern konfrontiert?

Ein Team deutscher Journalisten mit Hinrich Rohbohm hat sich auf Spurensuche begeben und das Geheimnis in der Video-Dokumentation „Die Flüchtlingslüge 2017 – Und es wiederholt sich doch“ enttarnt. Der Ansturm -zigtausender Migranten wurde in geheime Flüchtlingslager gelenkt, die über die italienische Insel Sizilien verteilt sind.

Dort werden sie so lange interniert, bis die Wahlen in Deutschland vorbei sind. Offenbar hat die Regierung in Rom im Interesse der deutschen Kanzlerin schon früh diese Lager eingerichtet. Und weil diese so wie die kleine italienische Insel Lampedusa scheinbar bereits überfüllt sind, werden Neuankömmlinge in Autobussen mit der Fähre nach Reggio di Calabria aufs Festland gebracht.

Mafia-Clans verdienen Millionen an den Flüchtlingen

Dort nimmt sich die Mafia ihrer gegen ein sattes Entgelt an. Wie die Stuttgarter Nachrichten am 15. Mai 2017 berichteten, wurden bei einem Schlag gegen die Kalabrien beherrschende Mafiaorganisation ‚Ndrangheta 68 mutmaßliche Mitglieder des einflussreichen Clans Arena festgenommen. Sie sollen unter anderem aus der Verwaltung eines Flüchtlingslagers in der südlichen Provinz Crotone Gewinne in Millionenhöhe gezogen haben. Das Zentrum gilt als das größte in Italien.

Nicht anders dürfte es auf Sizilien sein, wo neue Flüchtlingslager eingerichtet wurden. Denn auch dort regiert die Mafia mit. Die „Anlieferung“ erfolgt unterschiedlich über die Häfen Augusta, Pozzallo, Catania, Messina und Palermo, so dass in keinem Hafen eine auffällige Massenansammlung entsteht.

Das Konzept lautet: Dezentralisierung. Dadurch ist auch schwer zu sagen, wie hoch die Zahlen sind. Ein Vorteil für die Politik. Die Bevölkerung erfährt die Zahlen nicht. Und es gibt keine Debatte in den Medien. Bis Italien plötzlich Alarm schlägt.

Direkte Kontakte von Rettern mit afrikanischen Schleppern

Mittelmeer auf vesselfinder.com: Jedes Schiff kann identifiziert und seine Fahrt verfolgt werden

Die deutschen Journalisten begannen für ihre Dokumentation im Zeitraum Mai-Juni 2017 zunächst, über die Schifffahrts-Plattform „vesselfinder.com“ die Fahrten der deutschen NGO-Schiffe (NGO-Nichtregierungsorganisation) Sea Watch 2, Sea Eye und Juventa der Organisation „Jugend rettet“ zu beobachten.

Juventa kreuzte demnach entlang der 12-Meilenzone vor der Küste von Libyen auf und ab. Angeblich verladen diese Schiffe dann die Migranten auf größere Schiffe und fahren selbst nicht immer sofort nach Italien. Übergabe einige Meilen nördlich und dann wieder zurück zur 12-Meilenzone. Dann senden sie neue Signale zur Küste aus.

Später gab es auch Fahrten auf die italienische Insel Lampedusa und wieder zurück zur 12-Meilenzone. Auch Sea Eye fuhr ab Anfang Juni mit raschen Fahrten nach Lampedusa und wieder zurück. Ebenso Sea Watch 2 Ende Juni. Letztendlich waren alle 3 Schiffe über 2 Monate unterwegs.

„Sea Watch 2“ befindet sich gegenwärtig im Hafen von La Valetta auf Malta. Ebenso „Seefuchs“ von Sea Eye. Auf Malta haben sich viele NGOs niedergelassen und steuern von hier aus die Operationen auf See. Mehr als ein Dutzend NGO-Schiffe nimmt auf dem Mittelmeer inzwischen Migranten auf.

Rettungsaktionen sehr nah an libyschen Gewässern

Frontex bestätigte, dass die meisten Rettungsaktionen sehr nah an libyschen Gewässern stattfinden. Vor einigen Jahren war das noch nicht der Fall. Migranten wurde von Schmugglern genug Treibstoff sowie Wasser und Nahrung mitgegeben, um die Reise bis in italienische Gewässer zu schaffen.

Jetzt wird den Flüchtlingen gerade der Treibstoff mitgegeben, um auf billigen Schlauchbooten von sehr schlechter Qualität internationale Gewässer zu erreichen. Zudem werden mehr Menschen auf die Boote gepackt als vorher, was bedeutet, dass die Boote schneller untergehen, wenn sich die Wetterverhältnisse verschlechtern.

Attacken der sizilianischen Justiz auf NGOs

Sizilianischer Staatsanwalt Zuccaro: Schwere Vorwürfe gegen NGOs wegen engen Kontakten zu Schleppern

Nur mühsam dringt durch, dass einige NGOs sogar im Verdacht stehen, mit der Schleuser-Mafia richtiggehend zu kooperieren. Um unmittelbar hinter der 12-Meilen-Grenze und manchmal sogar innerhalb vor der libyschen Küste Flüchtlinge abzuholen.

Inzwischen attackiert die sizilianische Justiz die Rettungs-Schlepper mit schweren Vorwürfen. Der Staatsanwalt von Catania auf Sizilien, Carmelo Zuccaro, sagte der italienischen Tageszeitung „La Stampa“, es gebe „direkte Kontakte zwischen einigen NGOs und Menschenhändlern in Libyen“.

Zuccaro ist Chef eines Teams von fünf Staatsanwälten, die mit kriminellen Aspekten der Flüchtlingsfrage befasst sind. Der „Stampa“ zufolge sind unter anderem Ermittlungen darüber im Gang, ob neue im Mittelmeer tätige NGOs möglicherweise sogar von Schleppern finanziert werden. Bankdaten und Telefonmitschnitte weisen jedenfalls darauf hin, dass mit Schleppern zusammengearbeitet  wird. Auch die libysche Küstenwache spricht von Beweisen.

Vor dem Sicherheitsausschuss des römischen Senats hatte Frontex-Chef Fabrice Leggeri ausgesagt: „Ich bestätige, dass wir von Migranten wissen, dass sie von den Schleusern mit Handys mit den Telefonnummern einiger Hilfsgruppen ausgestattet wurden. Ich kann aber aus Gründen der Vertraulichkeit die Namen dieser Organisationen nicht nennen.“

Auch Lichtsignale sollen ausgesendet werden, um den Migranten den Weg zu den NGO-Schiffen zu weisen. Ist das noch Seenot-Rettung? Oder Beihilfe zum Schleusertum, wie der Vorwurf der Staatsanwaltschaft von Catania lautet.

EU-Schiffe sollten ursprünglich Schlepper bekämpfen

Frontex-Schiff im Mittelmeer: Ursprünglich für den Kampf gegen Schlepper vorgesehen

Die Frontex-Schiffe, deren Einsatz soeben verlängert wurde, waren ursprünglich für den Kampf gegen Schleuser vorgesehen. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete, transportieren sie inzwischen auch Migranten. Insgesamt seien bei dem Einsatz bislang rund 40.000 Menschen nach Italien gebracht worden, davon allein 21.000 von der deutschen Marine.

Kritiker werfen den beteiligten Staaten vor, mit der Operation vor der libyschen Küste Schleusern in die Hände zu spielen. Diese könnten seit dem Start der Mission billige und unsichere Boote einsetzen, weil sie sich sicher sein könnten, dass Einwanderer kurz nach dem Verlassen der libyschen Hoheitsgewässer von EU-Schiffen gerettet werden.

Nicht genannte EU-Beamte hätten laut dpa darauf verwiesen, dass ein Stopp des Einsatzes kaum mehr möglich sei, da es zumindest in den ersten Wochen danach zu einem massiven Anstieg der Todesfälle kommen könnte. Daher hat die EU-Kommission Italien zusätzliche finanzielle Hilfen in Aussicht gestellt.