Interpol jagt 173 IS-Terroristen mit Ziel Europa

Interpol jagt 173 IS-Terroristen mit Ziel Europa. Je mehr der Islamische Staat (IS) in Irak und Syrien die Enge getrieben wird, umso größer wird die Gefahr von Racheakten in der EU. Mit einer neuen Datenbank sollen potenzielle Täter am Morden gehindert werden. Die Daten stammen aus erbeuteten Dokumenten in gestürmten IS-Hochburgen wie Mossul.

Autor: Wolfgang Freisleben

IS-Terroristen: Bereit zum Marsch auf Europa

Die „Internationale kriminalpolizeiliche Organisation“ Interpol hat eine Liste von 173 Kämpfern des Islamischen Staats (IS) versendet, die trainiert werden, um als Rache für die militärischen Niederlagen im Nahen Osten Selbstmordattentate in Europa zu verüben.

Wie die englische Zeitung „The Guardian“ berichtet, wurde die Liste der internationalen Polizei-Behörde von US-Geheimdiensten auf Basis von Informationen erstellt, die während des Angriffs auf IS-Territorien in Syrien und im Irak erbeutet wurden.

Die europäischen Anti-Terror-Netzwerke sehen nun beim Kollaps des IS-Kalifats ein zunehmendes Risiko in Europa durch das Einsickern von Selbstmordattentätern, die wahrscheinlich alleine operieren.

Noch gibt es keinen Beweis dafür, dass Personen von dieser Liste bereits nach Europa gekommen sind. Aber das Interpol-Rundschreiben unterstreicht die Herausforderung, der sich Europa gegenüber sieht. Es dient auch der Erkundung, ob die EU-Geheimdienste über Informationen betreffend die genannten Personen verfügen.

Geschult im Bau von Bomben um zu morden

Die vom Generalsekretariat der Interpol versendete Liste definiert die Gruppe der Einzelkämpfer als Personen, die „geschult worden sind, um improvisierte Bomben zu bauen und zu positionieren mit dem Ziel, zu morden und schwere Verletzungen an Menschen zu verursachen. Es wird angenommen, dass sie international reisen können, um an terroristischen Aktivitäten teilzunehmen.“

Die Daten wurden ursprünglich von US-Geheimdiensten „über vertrauenswürdige Kanäle“ gesammelt. Das Material wurde an den US-Inlandsgeheimdienst FBI übergeben, der die Liste an Interpol zur globalen Freigabe übermittelte.

Eine Notiz im Anhang der Interpol-Liste für Italien erklärt, wie die Terroristen-Datenbank konstruiert wurde. Demnach wurde ein

Zerstörte irakische Stadt Mossul: In IS-Zentrale Dokumente über Terroristen mit Terrorabsicht in Europa erbeutet

Puzzle aus hunderten Elementen zusammengesetzt, die vor allem bei der Eroberung des IS-Hauptquartiers im Osten der irakischen Stadt Mossul gesammelt wurden.

Wörtlich heißt es in der Notiz: „Die Personen wurden durch Materialien identifiziert, die in den Verstecken von Isil, dem islamischen Staat des Irak und der Levante gefunden wurden.“ Die genannten Personen hätten sich bereit erklärt, Selbstmordattentate zu verüben, um den Islam zu unterstützen.

ID-Karte für jeden Terroristen mit genauen Details

Die Liste beinhaltet die Namen der Verdächtigen, das Datum, an dem sie vom IS rekrutiert wurden, ihre letzte wahrscheinliche Adresse einschließlich der Moschee, in der sie gebetet haben, während sie kämpften, sowie den Namen ihrer Mutter und alle Fotos.

Internationale Polizeiorganisation Interpol: Neue Datenbank über IS-Terroristen mit der Bereitschaft zum Morden in der EU

Für jeden der Terroristen wurde eine Identitäts-Karte (ID) erstellt, um sicherzustellen, dass jedes Mitgliedsland im Interpol-Netzwerk die Daten mit lokalen Datenbanken vergleichen kann.

Interpol hat die nationalen Behörden um alle Informationen gebeten, die sie über einzelne Namen auf der Liste finden, inklusive aller anderen persönlichen Hintergrund-Informationen. Dazu gehören Grenzübergänge, vorherige Straftaten, biometrische Daten, Passnummern, Aktivitäten auf Social Media und Reiseverlauf.

Die Informationen werden dann in die Interpol ASF (automatische Suchfunktion)-Datenbank aufgenommen, um die Namen auf eine übergeordnete Watchlist zu setzen.

Die US-Geheimdienste sind offensichtlich überzeugt von der Zuverlässigkeit der Quellen. Aber westliche Anti-Terror-Organisaitonen haben das Problem, potenzielle Verdächtige zu identifizieren, da viele über falsche Dokumente, doppelte Identitäten und gefälschte Pässe verfügen.

Interpol versendet über das sichere globale Polizei-Kommunikationsnetz regelmäßig Warnungen und Updates über gesuchte Terroristen und Kriminelle an seine nationalen Zentralbüros (NZB).

Identifizierung von IS-Terroristen aus Europa

Die Warnungen und Aktualisierungen sollen sicherstellen, dass wichtige Informationen dann zu Verfügung stehen, wenn sie dem Antrag eines Mitgliedslandes entsprechen. Außerdem ist erwünscht, dass seitens der europäischen Behörden Personen identifiziert werden, die in europäischen Ländern geboren und aufgewachsen sind.

Im Jahr 2015 registrierte die UNO, dass von den 20.000 ausländischen Kämpfern im Irak und in Syrien 4.000 aus Europa stammten. Aber es gab bisher keine Liste der Kämpfer, darunter auch der im Nahen Osten geborenen, die als potentielle Selbstmordattentäter identifiziert wurden.