In Frankreichs Vorstädten Realität: Muslime rein, Juden raus

Eine Holocaust-Überlebende wurde in Frankreich Opfer des Antisemitismus. Ihr grausamer Tod alarmiert das Land. Muslimische Zuwanderer erobern die Französische Republik. Vorstädte werden zu Apartheidgesellschaften. Während jüdische Symbole aus Frankreich verschwinden, vermehren sich islamische – von Burkinis an den Stränden bis hin zum Schleier am Arbeitsplatz. Juden, die nicht aus Frankreich geflohen sind, versuchen „unsichtbar“ zu werden.

Autor: Wolfgang Freisleben

Der gewaltsame Tod einer 85jährigen Holocaust-Überlebenden hat in Frankreich die Debatte über Judenfeindlichkeit angeheizt. Die von Messerstichen übersäte und teilweise verbrannte Leiche von Mireille Knoll war am Freitag in ihrer Pariser Sozialwohnung gefunden worden.

Die Staatsanwaltschaft geht seit Montag davon aus, dass die Holocaust-Überlebende wegen ihres jüdischen Glaubens Opfer des Verbrechens wurde. Die Aussagen eines der Verdächtigen sowie die Tatsache, dass beide Männer über die Religion der alten Dame Bescheid wussten, hätten zu dieser Annahme geführt, hieß es. Den Inhaftierten wird zudem schwerer Raub und Sachbeschädigung vorgeworfen.

Übergriffe werden zum Alltag

Drei Jahre nach dem islamistischen Terroranschlag auf einen Supermarkt für koschere Produkte in Paris ist es weiterhin ein Thema, ob Juden sich in Frankreich noch sicher fühlen können.

Antisemitismus in Frankreich: Französische Soldaten bewachen eine jüdische Schule

Die Zeitung „Le Monde“ schilderte vor Kurzem den Fall einer Familie aus Noisy-le-Grand bei Paris: Drohbriefe mit Gewehr-Patronen im Kuvert, Schmierereien an ihrer Hauswand – „Tod den Juden.“ Schließlich sei die Familie umgezogen.

Das Blatt berichtete auch von einem Zwischenfall im vergangenen September: Als junge Menschen im Hof der Synagoge von Garges-lès-Gonesse das jüdische Laubhüttenfest vorbereiteten, seien Jugendliche aus dem Viertel auf sie losgegangen. „Sie haben unter anderem geschrien: „Dreckige Juden, wir werden euch kaltmachen“, erzählte Alain Bensimon, der Präsident der Synagoge. „Wie üblich. Das ist fast banal geworden.“

Neuer Antisemitismus durch Islamisierung

Eine jüdische Familie wurde im September 2017 in ihrer Wohnung im Vorort Seine Saint-Denis als Geisel genommen, geschlagen und ausgeraubt. Im April letzten Jahres wurde die pensionierte jüdische Ärztin und Lehrerin Sarah Halimi von einem Nachbarn in Paris misshandelt und vom Balkon geworfen. Der Mann, der sie ermordet hat, während er „Allahu Akbar“ („Allah ist größer“) schrie, war ein muslimischer Nachbar. .

Zwei jüdische Brüder wurden im Februar 2017 auf einer Pariser Straße von Männern mit einer Bügelsäge angegriffen, die schrien: „Ihr dreckigen Juden! Ihr werdet sterben“.

Ende Januar 2018 gab es eine Tritt-Attacke auf einen Achtjährigen mit Kippa, bei der die Ermittler ein antisemitisches Motiv vermuten. Der Fall ist noch nicht aufgeklärt, doch umgehend schaltete sich Staatschef Emmanuel Macron ein: „Jedes Mal, wenn ein Bürger wegen seines Alters, seines Aussehens oder seiner Religion angegriffen wird, greift man die ganze Republik an.“

Viele Juden wanderten nach Israel aus

Juden in Frankreich: Die größte jüdische Gemeinde in Europa, aber bereits 27.000 sind nach Israel ausgewandert

Macron wollte offensichtlich ein klares Zeichen setzen. Denn Juden leben in manchen Regionen Frankreichs gefährlich. Und seit Jahren wächst unter ihnen die Angst vor dem Antisemitismus.

Nach den Terroranschlägen von Paris im Jahr 2015 bereitete eine mit der Jewish Agency verbundene Denkfabrik einen Plan vor, um 120.000 französische Juden bei der Auswanderung nach Israel zu unterstützen. Es gab 5.000 Abflüge im Jahr 2016 und 7.900 im Jahr 2015.

Insgesamt sind 27.000 Juden nach Angaben der Jewish Agency in den vergangenen fünf Jahren aus Frankreich nach Israel ausgewandert – in den fünf Jahren davor waren es weniger als 10.000.

Frankreich bleibt aber nach wie vor Gastgeber der größten jüdischen Gemeinde Europas. Rund 500.000 Menschen jüdischen Glaubens leben dort. 70% von ihnen sind sephardisch – jene, die 1492 aus Spanien vertrieben wurden und in den Nahen Osten, nach Nordafrika und in die Türkei flohen, statt nach Europa. Sie kamen zwischen 1956 und 1962 nach Frankreich, als Algerien, Marokko und Tunesien die Unabhängigkeit erlangten, wie zum Beispiel zwei französische Nobelpreisträger für Physik, Claude Cohen-Tannoudji (1996), geboren in Algier, und Serge Haroche (2014), geboren in Casablanca, Marokko.

Starken Anstieg der Judenfeindlichkeit in Frankreich

Der Politikwissenschaftler und Rassismus-Experte Pierre-André Taguieff beschreibt einen starken Anstieg der Judenfeindlichkeit in Frankreich bereits zu Beginn der 2000er Jahre. „Es handelt sich nicht um eine Wiederkehr des alten politischen Antisemitismus, der Nationalisten und Katholiken vereint, sondern um das Entstehen einer neuen antijüdischen Konfiguration, die sich aus der Islamisierung der palästinensischen Sache ableitet“, sagte er dem Magazin „L’Obs“.

Wie die Zeitung Le Monde in einer erschreckenden Analyse berichtete, klopft Antisemitismus nun täglich an die Türen der französischen Juden. Das hat einen ernsten Migrationstrend ausgelöst: Französische Juden sind zu „Binnenflüchtlingen“ geworden.

Der Judenhass ist das Tor zu „La France soumise“ geworden – der Unterwerfung Frankreichs. Vororte („banlieues“) – weit weg von den wohlhabenden Boulevards und Bistros von Paris – repräsentieren das „andere Frankreich“. Das „periphere Frankreich“ („La France Périphérique“), wie es der Geograph Christophe Guilluy in einem Buch nennt. Sie sind es, wo das Zusammenleben zwischen den Gemeinschaften wirklich erprobt wird.

Muslime erobern die Vorstädte und vertreiben die Juden

Brennende Israel-Fahne auf der Straße: Öffentliches Zeichen von Antisemitismus im französischen Alltag

In den letzten 20 Jahren sind diese französischen Vorstädte nicht nur zu Konzentration von Armut und sozialer Isolation geworden. Sie haben sich auch von einigen der am dichtesten besiedelten jüdischen Gebiete Frankreichs zu „verlorenen Gebieten der Republik“ gewandelt, so der Historiker Georges Bensoussan in seinem Buch „Les territoires perdus de la République“. Diese Vorstädte sind zu einem der sichtbarsten Zeichen der Islamisierung Frankreichs geworden.

Dort gibt es einen „Antisemitismus im Alltag“. Sichtbares Kennzeichen sind Graffitis auf Autos, abgerissene Briefkästen, absichtliche Drängeleien am Aufzug.

Historische jüdische Viertel in Frankreichs Städten sind bereits geleert worden. Zwischen 50.000 und 60.000 Juden sind seit den 2000er Jahren aus den Vorstädten geflohen, um in die mondänen Viertel der Städte zu ziehen, wo sie sich besser geschützt fühlen. Für viele dieser Juden war es eine zweite Flucht.

Historische jüdische Viertel in Frankreichs Städten geleert

In den letzten 10 Jahren sind 60.000 der 350.000 Juden der Region Île-de-France im Großraum Paris umgezogen, so Sammy Ghozlan, Präsident des Nationalen Dienstes für Wachsamkeit gegenüber Antisemitismus. Viele vom östlichen in den westlichen Teil von Paris – in die sechzehnten und siebzehnten Arrondissements.

Bis zum Jahr 2000 war der Pariser Vorort Bondy mit 250 bis 300 jüdischen Familien und Synagogen am Sabbat schön und ruhig. „Jetzt sind nur noch etwa hundert jüdische Familien übrig“, sagte der Ortsansässige Alain Benhamou, der ging, nachdem er die Worte „schmutzige Juden“ an die Wände gemalt sah.

In einem Vorort südlich von Paris, Kremlin-Bisêtre mit 25.000 Einwohnern, sind heute 25% Muslime. Bis 1990 waren 10% der Bevölkerung jüdisch, heute sind es 5%.

Pariser Vorort Seine-Saint-Denis im Norden von Paris: Schon 40% der Einwohner sind muslimisch

In Seine-Saint-Denis mit den Vororten im Norden und Nordosten der Hauptstadt sind heute 40% der Einwohner muslimisch. Historische jüdische Gemeinden in Städten wie La Courneuve, Aubervilliers, Stains, Pierrefitte-sur-Seine, Trappes, Aulnay-sous-Bois, Le Blanc-Mesnil und Saint Denis verschwinden. Wegen der mangelnden Sicherheit gibt es in Orten wie Courneuve, wo es 600 bis 700 jüdische Familien gab, heute weniger als 100.

Jüdische Familien haben auch Toulouse wegen Antisemitismus verlassen. Der ehemalige Premierminister Manuel Valls sprach von einer „territorialen, ethnischen und sozialen Apartheid“ Apartheidgesellschaften in Frankreichs Vorstädten.

Staatlicher Schutz von Synagogen, Schulen und Gemeindezentren

Die französische Regierung hat eine Aktion zum Schutz von 800 Synagogen, Schulen und Gemeindezentren eingeleitet. Aber wie die Tageszeitung Le Monde beichtet, gibt es wenig, was sie tun kann, um die Juden auf der Straße und in ihren Häusern zu schützen. Der islamische Antisemitismus verschlingt die Französische Republik.

Laut einer Studie des französischen Instituts Ifop korreliert die „Exposition gegenüber antisemitischer Gewalt in hohem Maße mit dem Tragen einer Kippa“. Die jüdische Schädelkappe ist in vielen Gegenden Frankreichs aus der Öffentlichkeit verschwunden.

In Marseille rief ein örtlicher jüdischer Führer die Juden zu ihrer eigenen Sicherheit auf, das Tragen jüdischer Symbole in der Öffentlichkeit zu vermeiden. Juden, die nicht aus Frankreich geflohen sind, versuchen „unidentifizierbar“ zu werden.

Während jüdische Symbole verschwinden, vermehren sich islamische Symbole, von Burkinis an den Stränden bis hin zum Schleier am Arbeitsplatz.