Im Nahen Osten eskaliert die Gewalt zum Weltkrieg

Im Nahen Osten eskaliert die Gewalt zum Weltkrieg. Zunächst haben die USA eine Drohne iranischer Provenienz über Syrien abgeschossen. Danach einen Kampfjet der syrischen Luftwaffe. Russland hat daraufhin eine Sicherheitsvereinbarung mit den USA für den syrischen Luftraum ausgesetzt. Gleichzeitig greift mit China eine weitere Großmacht in das Geschehen ein und führt seit gestern mit eigenen und Kriegsschiffen des Iran mit Luftunterstützung von Helikoptern gemeinsame Manöver im Persischen Golf durch.

Autor: Wolfgang Freisleben

US-Kampfjet F/A-18 Super Hornet: Nun auch im syrischen Luftraum im Kriegseinsatz

Das russische Verteidigungsministerium hat seine Kooperation mit dem US-Verteidigungsministerium (Pentagon) in Syrien mit sofortiger Wirkung ausgesetzt und sich damit die Option eröffnet, als offizielle Schutzmacht der syrischen Regierung feindliche Flugzeuge über Syrien abzuschießen. Moskau kündigt konkret den Abschuss von Flugzeugen und Drohnen der US-Koalition an, die westlich des Euphrat-Flusses entdeckt würden.

Anlass für die Eskalation war der Abschuss eines syrischen Kampfjets des Typs Su-22 durch eine F/A-18 Super Hornet der US Air Force, über den die New York Times berichtete.

Der syrische Kampfjet war im Einsatz gegen die Terror-Miliz IS. Nach dem Abschuss waren syrische Truppen nach Rasafah vorgedrungen, um den Piloten des abgeschossenen Jets zu bergen, als sie von kurdischen SDF-Einheiten angegriffen wurden.

Danach waren in der Nacht vom 18. zum 19. Juni 2017 Gefechte zwischen der syrischen Armee und den Kurden-Milizen der SDF im Süden von Tabkah in der Provinz Rakka ausgebrochen. Die Kurden werden von den USA unterstützt.

Kämpfer gegen den IS in Syrien:Durch Attacken der Kurden gefährdet

Das syrische Verteidigungsministerium sieht durch die Attacken der Kurden und der USA die Erfolge der syrischen arabischen Armee und ihrer Verbündeten im Kampf gegen die IS-Terroristen gefährdet.

Pentagon verhöhnt Russland mit einer angeblichen Ankündigung

Wie zum Hohn behauptete ein Sprecher des Pentagons gegenüber der Washington Post, dass das russische Verteidigungsministerium vor der Aktion gegen die syrische Luftwaffe im Rahmen des Syrien-Memorandums informiert worden sei, um eine Eskalation zu verhindern. Das Pentagon signalisierte außerdem, dass es sich rasch um Deeskalation bemühen wolle.

Moskau antwortet daraufhin mit einer scharfen Mitteilung: „Das Verteidigungsministerium der Russischen Föderation setzt ab dem 19. Juni die Kooperation mit der amerikanischen Seite im Rahmen des Memorandums über die Vorbeugung von Vorfällen und die Gewährleistung der Flugsicherheit im Laufe der Operationen in Syrien aus und fordert eine gründliche Ermittlung durch die amerikanische Führung.“

Wiederholte Kampfhandlungen der US-Luftwaffe im Rahmen des Anti-Terror-Kampfes gegen die legitimen Streitkräfte eines UN-Mitgliedstaates seien eine scharfe Verletzung des internationalen Rechts, so das Ministerium weiter. Russland ist in dem Konflikt der wichtigste Verbündete des syrischen Machthabers Baschar al-Assad.

Kurden und USA gegen die syrische Armee

Zuvor hatte die US-geführte Militärkoalition laut der Nachrichtenagentur AFP im syrischen Luftraum bereits zum wiederholten Male eine Drohne abgeschossen. Der unbemannte Flugkörper stammte nach Angaben der USA aus iranischer Produktion. Er habe Truppen gehört, die den syrischen Präsidenten Assad im Bürgerkrieg unterstützen.

Drohne Shahed 129: Von US-Kampfjets über Syrien abgeschossen

Die Drohne vom Typ Schahed 129 war den Angaben zufolge im Süden Syriens nahe der jordanischen Grenze von einem F-15-Kampfjet der US-Luftwaffe abgeschossen worden. Der Flugkörper habe Einheiten der Koalition am Boden bedroht, behaupteten die USA. Die Drohne sei in Richtung dieser Truppen unterwegs gewesen, um Munition auf sie abzuwerfen.

Es handelte sich bereits um den zweiten Vorfall dieser Art innerhalb von zwei Wochen. Anfang Juni hatte ein US-Kampfflugzeug ebenfalls in Südsyrien eine Drohne abgeschossen. Auch damals machte die Militärkoalition keine näheren Angaben dazu, wem der Flugkörper gehörte.

Angekündigte Konfrontation zwischen US- und Syrien-Koalitionen

Das Washingtoner Institute for Near East Policy (WINEP) hat in einem Bericht bereits eine direkte Konfrontation zwischen der US-Koalition und syrischen Truppen mit großer Wahrscheinlichkeit angekündigt.

Damit würde der Konflikt zu einem echten Weltkrieg ausarten. Denn Russland und Iran werden Syrien mit allen Kräften gegen die US-geführte Koalition unterstützen.

Offen ist, auf welche Seite sich letztlich der NATO-Staat Türkei schlagen wird, dem jeder militärische Erfolg der Kurden ein Dorn im Auge ist. Denn die Kurden kämpfen in der Türkei für eine Eigenverwaltung ihrer Gebiete und wollen im Norden Syriens an der türkischen Grenze eine autonom verwaltete Region begründen. Der türkische Machthaber Recep Tayyip Erdogan betrachtet dies als Gefahr für sein Land und bekämpft derartige kurdische Ambitionen mit großer Brutalität.

Mit China positioniert sich die 3. Weltmacht im Krisengebiet

Kriegsschiffe von Iran und China: Manöver im Persischen Golf

Neben den USA und Russland greift nun mit China die 3. Großmacht in den Weltkrieg um den Nahen Osten und seine Ressourcen ein. Ein iranischer und zwei chinesische Zerstörer haben laut Meldung der iranischen Nachrichtenagentur Irna am Sonntag mit gemeinsamen Militärmanövern begonnen. Die drei Kriegsschiffe werden von zwei Helikoptern unterstützt.

In Washington hatte der US-Senat erst vor Kurzem neue Sanktionen gegen Iran ins Spiel gebracht. Mit der gemeinsamen Militärübung stärkt China dem Iran in der Auseinandersetzung mit den USA nun demonstrativ den Rücken.

Die Manöver finden im östlichen Teil der relativ engen See-Straße von Hormus statt, über die der Schiffsverkehr mit dem Persischen Golf stattfindet. 700 iranische Soldaten nehmen daran teil. Die beiden chinesischen Militärschiffe starteten im iranischen Ölverladehafen Bandar Abbas und besuchen nach der Übung den Oman. Es ist die erste gemeinsame Übung seit 2014.

In den vergangenen Monaten hatte die US-Regierung der iranischen Marine mehrfach vorgeworfen, amerikanische Kriegsschiffe in der Straße von Hormus mit der Entsendung von Schnellbooten provoziert zu haben, die Scheinangriffe auf die Militärschiffe geführt haben sollen.

Iran stärkt Katar den Rücken gegen Saudi-Arabien

Emirat Katar: Vom saudischen Todfeind Iran mit Lebensmitteln versorgt

Verschärft wird die Krise durch einen von Saudi-Arabien verhängten Boykott gegen das Emirat Katar, dem sich einige andere arabische Golfstaaten und Ägypten angeschlossen haben. Die Saudis, die bekanntlich den Islamischen Staat (IS) nachhaltig mit Geld und Waffen aufpäppeln, werfen sinnigerweise Katar vor, islamistische Gruppen in anderen Ländern zu unterstützen und diplomatische Kontakte zum schiitisch dominierten Iran, dem Todfeind der sunnitischen Saudis, zu unterhalten.

Tatsächlich teilen sich Katar und Iran die Ausbeutung von Gasfeldern im Persischen Golf. Und der Iran versorgt Katar jetzt wegen des Warenboykotts seitens der arabischen (nunmehrigen Ex-) Freunde über eine Luftbrücke mit Lebensmitteln und sonstigen Gütern.

Auch europäische Staaten könnten in die Auseinandersetzungen am Golf verwickelt werden. In Katar befinden sich große Militärbasen von den USA und der Türkei. In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), die ebenfalls die Beziehungen zu Katar abgebrochen haben, gibt es einen französischen Marinestützpunkt.

Die enge Straße von Hormus gilt wegen der Gas- und Öllieferungen aus den Golfstaaten in alle Welt als besonders wichtige Schifffahrtsroute. Rund 30 Prozent aller weltweiten Ölexporte werden von hier auf die Weltmeere verteilt.