Hasste Adolf Hitler Juden wegen seines jüdischen Großvaters?

Die israelische Tageszeitung Haaretz versuchte die Gründe für Hitlers Judenhass zu erforschen. Adolf Hitlers Stammbaum genügte den Nazi-Ansprüchen nicht. Denn sein Vater war womöglich jüdischer Abstammung. Die Mutmaßungen reichen bis zu dem Bankier Salomon Rothschild aus Wien. Hitler selber war Inzucht nicht abgeneigt.

Autor: Wolfgang Freisleben

Vor Kurzem überraschte die zweitgrößte israelische Tageszeitung Haaretz ihre Leser in ihrer englischsprachigen internationalen Ausgabe mit Mutmaßungen, dass der einstige deutsche Reichskanzler Adolf Hitler womöglich selbst jüdisches Blut in seinen Adern gehabt haben könnte. Dies käme auch als Grund für seinen Judenhass in Frage.

Obwohl ein großer Teil von Hitlers politischem Manifest „Mein Kampf“ der Erklärung dieses Hasses gewidmet sei, so waren doch die gegen europäische Juden ergriffenen Maßnahmen in Natur und Ausmaß so ungeheuerlich, dass es einer genaueren Erklärung bedürfe.

Autor David B. Green betrachtet es daher als naheliegend, dass Forscher alle verfügbaren Hinweise zur Erklärung einer zutiefst persönlichen psychologischen Verletzung hinterfragen müssten, die Hitler erklären würden.

Hitlers Vater war ein illegitimes Kind

Israelische Tageszeitung Haaretz: Auf der Suche nach den Wurzeln von Hitlers Judenhass

Noch bevor Hitler an die Macht kam, gab es schon Gerüchte, er sei jüdischer Abstammung. Das Gerücht nährte sich aus der bekannten Tatsache, dass sein Vater, Alois Hitler, ein illegitimes Kind war. Dessen Mutter – Hitlers Großmutter väterlicherseits also – hieß mit Mädchennamen Maria Anna Schicklgruber. Als sie Johann Georg Hiedler heiratete, nahm sie dessen Nachnamen an.

Zu diesem Zeitpunkt war Alois bereits fünf Jahre alt. Seine Mutter hatte nie offenbart, wer sein Vater war.

Laut David Green betraf der jüdische Aspekt der Spekulation einen Juden namens Leopold Frankenberg, der nach Darstellung von Hitlers persönlichem Anwalt Hans Frank der damals noch halbwüchsige Sohn eines Paares war, bei dem Maria Schicklgruber als Köchin beschäftigt war, als sie mit Alois schwanger wurde.

Nach Aussage von Hans Frank bei den Nürnberger Prozessen 1945/46 hatte er 1930 von Hitler selbst über diese jüdische Abstammung gehört. Es gibt allerdings keinerlei Beweise, dass Leopold Frankenberger überhaupt existiert hätte.

Der jüdische Arzt Bloch behandelte Hitlers Mutter

Eine weitere bekannte Theorie betrifft den jüdischen Arzt Eduard Bloch, der Hitlers geliebte Mutter Klara vor ihrem Brustkrebs-Tod 1907 im Alter von 47 Jahren betreute. Als Klaras Zustand diagnostiziert wurde, war er unheilbar, aber Dr. Bloch behandelte sie auf Drängen ihres Sohnes mehr als einen Monat lang mit einer quasi-experimentellen Medikation namens Jodoform. Das Medikament verursachte ihr qualvolle Schmerzen, verlängerte jedoch ihr Leben nicht.

Könnte der Holocaust Hitlers Rache für die Unfähigkeit des Dr. Bloch gewesen sein, Klaras Leben zu retten?

Hitler brüllend bei einer Rede: Ursprünglich war er Juden gegenüber positiv eingestellt

Dies verneint David Green. Denn Hitler hat Dr. Bloch nicht für das Leiden seiner Mutter verantwortlich gemacht. Nach ihrem Tod schrieb er vielmehr an den Arzt und dankte ihm für seine hingebungsvolle Fürsorge.

Drei Jahrzehnte später, nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland im März 1938, schrieb Bloch an den bereits zum Kanzler aufgestiegenen Adolf Hitler und bat um Hilfe. Hitler verfügte tatsächlich, dass Bloch nicht von den Zwangsmaßnahmen gegen Juden betroffen war, so dass er die Ausreise in die Vereinigten Staaten arrangieren konnte, wo er 1945 starb.

Erster Weltkrieg als Ursache für Judenhass?

Green verwies darauf, dass Hitler in seinem Buch „Mein Kampf“, erschienen in zwei Bänden in den Jahren 1925 und 1926, selbst erklärte hätte, dass er über Juden positiv gedacht habe, als er 1908 nach Wien zog. Er war erst nach der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg gegen sie aufgebracht, weil er dafür die Juden verantwortlich gemacht habe.

Antisemitismus hatte es in Europa allerdings schon früher gegeben. In vielen Ländern hatten Juden die Aufgabe von Geldverleihern übernommen. Dies hatte zur Folge, dass ihre wirtschaftliche Rolle enorm war.

In England waren sie ab 1218 sogar erstmals verpflichtet, ein Abzeichen als Kennzeichen ihrer Religion zu tragen. 1290 wurden die Juden aus England überhaupt ausgewiesen. Erst 1655 durften sie wieder zurückkehren.

In Spanien wurden seit 1391 die Juden offiziell verfolgt und mussten zwischen Hinrichtung und Zwangstaufe wählen. 1492 wurden alle Juden aus Spanien vertrieben, 1497 auch aus Portugal.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts kam es in Russland zu zahlreichen Pogromen, die ihren Höhepunkt gegen Ende des Jahrhunderts erreichten und bis zur Russischen Revolution 1917 immer wieder aufflammten.

Judenhass als Ergebnis des sozialen Aufstiegs

Deutsche Truppen im 1. Weltkrieg: Hitler schob ihre Niederlage den Juden in die Schuhe

Neue Gründe für die Entstehung von Judenhass ortet David B. Green im Aufstieg von Juden zu Industrie- und Finanzkapitänen und der Anerkennung als intellektuelle Prominenz. Dieser Erfolg habe auch Anlass für Rassen-Theorien gegeben, die ihnen einen wesentlichen biologischen Unterschied zuordneten.

Als das imperiale Deutschland 1918 besiegt wurde und der deutsche Kaiser Wilhelm abdanken musste, setzte sich laut Green die populäre These durch, dass Deutschland von den Juden gemeuchelt worden sei.

Die Rolle der Juden einerseits in den sozialistischen und kommunistischen Bewegungen, die sowohl in Deutschland als auch in Russland Revolutionen hervorbrachten, und ihre Bedeutung in der internationalen Finanzwelt andererseits führten zu düsteren Theorien über den Mangel an nationaler Loyalität, ihren Verrat und ihre angebliche Entartung.

Green glaubt, dass in Hitlers Kopf alle Gruppen, die er als Gegner betrachtete – Bolschewiki, Sozialisten, Sozialdemokraten -, mit Juden identifiziert wurden, denn tatsächlich waren Juden unter ihnen prominent vertreten. Die Folgen laut David Green:

Seine politischen Theorien vermischten sich mit zunehmend technischen Rassentheorien, die die Juden, zusammen mit anderen Gruppen wie Slawen und Zigeunern, als minderwertig gegenüber den Ariern, der weißen nordeuropäischen Rasse, der reine Deutsche angehörten, darstellten.“

War Salomon Rothschild womöglich der Großvater?

Aber es gibt auch noch andere Theorien über die Herkunft Hitlers. Laut dem amerikanischen Psychoanalytiker und Autor des Buches „The Mind of Adolf Hitler“, Walter Charles Langer, war Adolf Hitler der Enkel eines jüdischen Rothschilds, was ihn auch dazu veranlasst haben soll, 1938 die Wiener Bank S. M. Rothschild und Söhne zu schließen, die Salomon Rothschild gehört hatte, d.h. einem seiner möglichen Großväter.

Hitler-Gegner wie Hitler-Freunde zweifelten gar, ob „der Erfinder der rassischen Inquisition den strengen Anforderungen seines eigenen Sippenamtes“ genügt hätte (so nach dem Zweiten Weltkrieg der Hitler-Biograph Hans Bernd Gisevius).

Das war die verblüffendste Ahnentheorie: dass der Judenhasser und Judenvernichter Hitler selber jüdischer Abkunft sei. Und sie entstand in seiner eigenen Partei.

1930 schrieb Hitler-Neffe William Patrick dem Onkel einen Brief, in dem er andeutete, Hitler habe „Judenblut in seinen Adern“. Hitler war entsetzt: „Man schickt Spitzel auf die Fährte unserer Vergangenheit.“

Er beauftragte seinen damaligen Rechtsberater — und späteren Generalgouverneur der besetzten polnischen Gebiete — Hans Frank, dieser „ekelhaften Erpressergeschichte“ nachzugehen.

Hitler als Bastard eines nicht angesehenen Juden

1945, nachdem das Dritte Reich samt Hitler untergegangen war, kam die „Anthropologische Commission“ — ein internationaler Kreis renommierter Gelehrter — zu dem Schluß, Hitler sei ein „Bastard von einem nicht sehr angesehenen Juden“ gewesen: „Schon im städtischen Kinderheim in Linz haben die Erzieherinnen … ihn einen „Judenbengel“ genannt.“

Und der Ex-Priester Jetzinger meinte: „Der Führer Hitler, der Zehntausende zur Erbringung des Ariernachweises zwang, hätte selber … diesen Nachweis nie erbringen können … Bei Nummer vier (des Ahnenpasses) — Großvater väterlicherseits — wäre, so wie bei jedem Unehelichen, ein dicker Strich gezogen worden zum Zeichen, dass dieser Großvater unbekannt ist, also möglicherweise auch ein Jude gewesen sein konnte.“

Hitlers Affäre mit seiner jungen Nichte „Geli“

Verbotene Liebe: Adolf Hitler mit seinen Nichten Angela „Geli“ Raubal (li.) und Schwester Elfriede Raubal

Im Jahre 1919 entschlüpfte Adolf Hitler einmal eine Bemerkung, die erkennen lässt, dass er für wertvoll hielt, was die NS-Ideologie später als verwerflich deklarierte: Inzucht.

1925 holte der damals 36jährige Hitler seine um 18 Jahre jüngere Nichte Angela („Geli“) Raubal von Wien nach München, bezahlte ihr eine Unterkunfft und ließ sie Gesangstunden nehmen. Sie hatte das gerade begonnene Medizinstudium aufgegeben, weil ihr bei der Anatomie regelmäßig schlecht geworden war.

In München wachte Hitler eifersüchtig über sie. Über jede Stunde musste sie ihm Rechenschaft ablegen. Er führte sie in die Oper oder ins Theater, fuhr sie in seinem Kompressor-Mercedes an den Chiemsee und ließ sie in den teuersten Modegeschäften einkaufen.

Als Hitler 1929 am Prinzregentenplatz 16 eine Neunzimmerwohnung bezog, nahm er sie zu sich. Seinem Leibphotographen Heinrich Hoffmann gestand er, daß er Geli liebe, zur Heirat könne er sich jedoch nicht entschließen: Sein Volk verlange, daß er nur ihm gehöre.

Nach Angaben des Hitler-Neffen Patrick hatte Geli ein Kind erwartet, als sie sich am 18. September 1931 mit Hitlers Revolver das Leben nahm.