Gesellschaftskritik einmal anders: Voice of Peace – nur ein Lied

Sarah Lesch hat mit dem Song „Testament“ den in Wien ausgetragen „Protestsongcontest 2016“ gewonnen. Der Song, der das Kind auf eine ungewisse Zukunft vorbereiten soll, erfuhr daraufhin große Verbreitung im Internet. Medial kritisch gesehen wurde teilweise, dass auch rechtspopulistische Seiten und rechtsextreme Gruppierungen den Song teilten, ungeachtet dessen, dass Leschs Texte darauf hindeuten, dass sie selbst politisch eher links steht.

Wie auch immer – der Song ist es tatsächlich wert, gehört zu werden: Guter Text, wunderbare Stimme, exzellent vorgetragen. Sie hat das Lied „für wahre Freiheit, gegen die Verrohung der Gesellschaft und für ihren Sohn“ geschrieben: „Das Lied soll ihn immer daran erinnern, dass er frei ist und… nur sich selbst gehört. Niemand anderem und keinem System“. Hier der Songtext:

Auch du warst mal ein Kind
und auch ich war mal klein und auch uns haben sie was erzählt
und dann macht man das alles und versucht so zu sein,
und dann merkt man, dass einem was fehlt.
Und dann verlernt man sich richtig zu spür’n und man flüchtet sich in Kunst oder Konsum, und während jeder vielleicht sich Pläne macht, lachen die Götter sich krumm.

Videoquelle: https://www.youtube.com/watch?v=pBLJNe8hsKE

Lasst eure Kinder mal was dazu sagen,
hört Ihnen richtig zu.
Die spür’n sich noch, die haben Feeling für die Welt
die sind klüger als ich und du.

Und denkt dran, bevor ihr antwortet, ihr seid auch bloß verletzte Kinder
Am Ende gibts wieder ganz neue Symptome
und ihr wart die Erfinder.
Und dann sagt ihnen wieder wie es richtig geht:
“ Werd‘ erwachsen!“ und „bist du naiv!“
Predigt Formeln, lasst alles in Hefte schreiben,
die Götter lachen sich schief

Achtet auf Schönschrift und Lehrpläne, und dass sie die Bleistifte spitzen.
Zeigt ihnen Bilder von Eichenblättern
während sie drinnen an Tischen sitzen,
und dann ackern und büffeln und wieder auskotzen
und am Nachmittag RTL2,
Am Wochenende geht’s was schönes kaufen, fertig ist der Einheitsbrei.

Und jeder, der sich nicht anpasst, wird zum Problemkind erklärt,

und jede die zu lebhaft ist, kriegt ’ne Pille, damit sie nicht stört.
Und damit betrügt ihr euch selber, denn kein Kind ist ein Problem.

Und all‘ die Freigeister, all die Schulschwänzer, nur Symptomträger im System.

Doch bedenkt, wenn ihr so hart urteilt,
ihr seid auch bloß gefangene Geister.
Der Unmut wird immer lauter und die Lehrer schreien sich heiser.
Empört weil das Hänschen nicht ist, was er sein soll
sondern nur, wer er nun mal ist.

Die Götter pullern sich ein vor Lachen
und ihr denkt, dass ihr was wisst.

Und wenn Hänschen ein Hans, der eigene Kinder hat,
denen er was erzählt, dann merkt Hans und Kunz und ihr vielleicht auch,
dass wieder irgendwas fehlt.
Ihr habt Wünsche und Träume und rennt damit ständig
an imaginäre Wände, und
jeder Wunsch, den ihr euch erfüllt, der ist dann halt auch zu Ende.
Geht ihr nochmal hoch, erfundene Zahlen
und wartet bis die Burn-outs kommen.
Schmeißt euer Geld für Plastik raus, um ein kleines Glück zu bekommen.

Das beste aus Cerealien und Milch, noch’n Carport und noch ein Kredit, und alle finden’s Scheiße, aber
alle machen sie mit!

Alle finden’s scheiße,
aber alle machen sie mit.
Ihr klugscheißert und kauft trotzdem und die Werbung verkauft euch für dumm
und dann sitzt ihr vor euern Flachbildfernsehern
und meckert auf den Konsum.

Wenn ihr das Welt nennt, bin ich gern‘ weltfremd!
Die Götter lachen sich krumm.

Wenn ihr das Welt nennt, bin ich gern‘ weltfremd!
Die Götter lachen sich krumm…

Ihr Traumverkäufer, Symptomdesigner,
merkt ihr noch was passiert?
Wer hat euch das Land und das Wasser geschenkt,
dass ihr jetzt privatisiert?
Ihr Heuchler, ihr Lügner, ihr Rattenfänger, ihr Wertpapierverkäufer
wer hat euch Geist und Gefühl gegeben
und doch seid ihr nur Mitläufer.
Ihr großen, vernarbten, hilflosen Riesen, ihr wart doch auch mal klein.
Und jemand hat euch mit schweigen gestraft
und ließ euch damit allein.

Und jetzt hört ihr nicht nur die Götter nicht lachen,
ihr hört auch die Kinder nicht weinen.
und sagt ihnen weiter, es würde nicht weh tun, ohne es so zu meinen
Macht ihr ruhig Pläne, ich steh am Rand, ich seh euch
und ich bin nicht allein.‘
Hinter mir stehen mehr und mehr Weltfremde,
die passen auch nicht hinein.

Und jetzt wartet nicht auf ein versöhnliches Ende
den Gefallen tu ich euch nicht.
Kein Augenzwinkern, keine milde Pointe,
die das Unwohlsein wieder bricht.

Irgendwann werden die Götter nicht mehr lachen,
und falls es mich dann nicht mehr gibt,
hinterlass‘ ich ein Kind, dass sich selbst gehört
Und dies‘ unhandliche Lied.

Videoquelle: https://www.youtube.com/watch?v=pBLJNe8hsKE