Enttarnt: Die düsteren Geheimnisse der US-Notenbank

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ist nicht das, wofür sie gehalten wird. Aber sie wahrt ihre Geheimnisse seit 1913. Die Wahrheit ist: Ihr Eigentümer ist nicht der Staat, sondern ein Kartell von Großbanken und ihrer zahlreichen Tochterinstitute. Bei der Fed New York sind es die Banken der Wall Street. Sie bestimmen die Zinspolitik in den USA mit Auswirkungen für die gesamte Welt.

Autor: Wolfgang Freisleben

Nun hat das US-amerikanische Federal Reserve System – kurz Fed genannt – einen neuen Präsidenten bekommen. Und prompt brachen weltweit die Aktienkurse ein.

Zentrale des amerikanischen Federal Reserve Systems in Washington: Hier wird die Zinspolitik verkündet

Was war geschehen? Eigentlich nichts. Es genügte die Annahme großer Marktteilnehmer, dass die Notenbank nun die Zinsen schneller als bisher geplant erhöhen könnte, um einen Kursrutsch an der globalen Leitbörse in der Wall Street auszulösen. Die übrigen Weltbörsen folgten umgehend.

Starke amerikanische Wirtschaftsdaten und die Lohnentwicklung wurden als Begründung für den Stimmungsumschwung an der New Yorker Börse kolportiert. Das schürte Ängste vor einer stärker als erwartet anziehenden Inflation. Immerhin lag sie im Vorjahr mit 2,1% bereits über der Zielmarke von 2%. Aber die dürfte ohnedies angehoben werden.

Inflation der Sachwerte als Barometer ignoriert

Denn die Zusammenhänge zwischen Wirtschaftswachstum und Inflation sind noch immer nicht ausreichend geklärt, wie die scheidende Fed-Präsidentin Janet Yellen kürzlich eingestehen musste. Der nun bereits seit Jahren anhaltende Wirtschaftsaufschwung in den USA hat nämlich nicht den erwarteten Inflationsimpuls mit sich gebracht.

Zur Beachtung von Wirtschaftswachstum und Preisstabilität ist die Fed zwar verpflichtet. Doch dies ist nicht das einzige Barometer für die Börsen. Viel wichtiger ist die Bewertung der Aktien- und Immobilienpreise, also die Inflation der Sachwerte. Und die ist den Verbraucherpreisen längst enteilt.

New York Stock Exchange in der Wall Street: Der Dow Jones Industrial Average Index hat sich verdreifacht

So hat sich zum Beispiel der Dow Jones Index (eigentlich: Dow Jones Industrial Average) mit 30 ausgewählten Großunternehmen der USA seit 6.3.2009 mit +301% mehr als verdreifacht – von 6.626 auf einen neuen historischen Höchststand von 26.616 Punkten am 26.1.2018. Davor hatte er seit dem Krisenbeginn im September 2007 immerhin 53% verloren.

Schreit dieser Durchmarsch schon nach einer Korrektur, so wird dies noch durch das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des Dow Jones untermauert. Dieses wurde in den vergangenen 33 Jahren mit einem Durchschnitt von 25 gemessen. Derzeit signalisiert es mit 28 eine Überbewertung.

FED 1913 als private Zentralbank gegründet

Doch all das reicht für Erklärungen nicht aus. Denn entscheidend sind letztlich die Manipulationen der Leitzinsen (Federal Funds Rate) der US-Notenbank.

Für deren Gestionierung ist nicht unerheblich, dass sie in Wahrheit Ende 1913 als private Institution mit 12 über das weite Land in ebenso vielen Distrikten verstreuten Niederlassungen gegründet wurde.

Der Name „Federal Reserve“ wurde lediglich gewählt, um eine staatliche Zentralbank vorzutäuschen. Als am 23. Dezember 1913 hastig der Parlamentsbeschluss durchgedrückt wurde, befanden sich die meisten Abgeordneten bereits ahnungslos mit Eisenbahn und Pferdekutschen auf dem Heimweg zum Weihnachtsfest in alle Regionen der USA.

Das Gesetzt übertrug der FED das alleinige Recht, den Staat mit der nationalen Dollar-Währung zu versorgen, die Geldmenge nach Belieben zu manipulieren und den „Leitzins“ zur Steuerung des Geld- und Kapitalmarkts festzulegen.

Nur Wenige durchschauten des üble Spiel

Kaum jemand der Anwesenden hatte vor der Abstimmung Gelegenheit und Lust, die Gesetzesvorlage auch tatsächlich zu studieren. Die wenigen Abgeordneten, die das üble Spiel durchschauten, waren empört.

Der Konservative Henry Cabot Lodge sen. prophezeite in weiser Voraussicht „eine gewaltige Inflation der Zahlungsmittel“ und dass die damals bestehende Goldwährung „in einer Flut von nicht einlösbarer Papierwährung“ ertrinken werde. Er sollte recht behalten. Denn der US-Dollar hat seither rund 95% seines Wertes veloren.

Charles August Lindbergh sen.: Die Druckplatten für sein 2. Aufdeckerbuch wurden von Bundesagenten vernichtet

Der Abgeordnete Charles August Lindbergh sen., der Vater des berühmten Atlantik-Fliegers, erklärte nach der Abstimmung vor dem Kongress:

Dieses Gesetz etabliert das gigantischste Kartell auf Erden … dadurch wird die unsichtbare Regierung der Geldmacht legalisiert sein … Das neue Gesetz wird Inflation erzeugen, wann immer das Kartell die Inflation wünscht …

Lindbergh hatte im selben Jahr das Buch „Banking, Currency, and the Money Trust“ veröffentlicht, in dem er die Zersetzung des Staates durch eine finanzkräftige Elite kritisierte.

Als er fünf Jahre später eine weitere verschwörungstheoretische Schrift veröffentlichen wollte, die den Eintritt Amerikas in den Ersten Weltkrieg einem geheimen, nur im eigenen Interesse handelnden inneren Zirkel anlastete, wurden die Druckplatten von Bundesagenten vernichtet.

Erstmals ein Investmentbanker an der Fed-Spitze

War bisher das Banken-Kartell darauf bedacht, wenigstens den Schein der Unabhängigkeit zu wahren, indem es an die Fed-Spitze als Strohmänner Ökonomen setzte, fungiert nun erstmals ein Investment-Banker an der Spitze.

Jerome Hayden „Jay“ Powell ist seit 5. Februar Vorsitzender/Präsident des Gouverneursrates „Federal Reserve Board of Governors“, dessen Mitglied er schon seit 2012 war. Damit ist er auch Vorsitzender des zwölfköpfigen Offenmarktausschuss der Fed, der achtmal jährlich offiziell über die Zinspolitik befindet.

Doch hinter den Kulissen werden die Weichen anders gestellt. Dies hat die New York Times ihren Lesern schon vor einigen Jahren in seltener Offenheit und nicht ohne Ironie so beschrieben:

Bei der Sitzung des Offenmarkt-Ausschusses sitzt der Präsident der Federal Reserve Bank of New York (FED-NY) mit dem Fed-Präsidenten am Ende des großen Konferenztisches und verliest vor den übrigen Mitgliedern des Ausschusses die Instruktionen, die beide zuvor von außen erhalten haben.

New Yorker Fed gibt den Ton an

Federal Reserve Bank of New York: Das eigentliche Machtzentrum der amerikanischen Geld- und Zinspolitik

Die wichtigste und tonangebende Macht ist die 1914 gegründete Federal Reserve Bank of New York“ (FRBNY), weil sie im größten Finanzzentrum der Welt agiert. Sie bestimmt als verlängerter Arm der Wall Street Banken auch die Zinspolitik. Die 11 anderen Fed-Banken sind nicht viel mehr als Verteilungszentren für gedruckte Dollars mit Statistikaufgaben.

Bestimmende Großaktionäre der FED-NY sind die Banken der Wall Street, deren Anteile sich von ihrem Eigenkapital ableiten. Wer am meisten hat, besitzt auch die größten Anteile. Und das ist die größte US-Bank JP Morgan Chase, gefolgt von Citigroup, Goldman Sachs, Morgan Stanley und Bank of New York Mellon.

Diese Finanzinstitute dominieren daher die Zinspolitik und können sich daran vorweg orientieren. Sie betreiben an den Börsen somit das gesetzlich eigentlich streng verbotene Insider-Trading in Reinkultur und bewegen mit großen Volumina die Märkte. Egal in welche Richtung.

Die Eigentümer der regionalen Fed-Banken sind vorwiegend Tochterinstitute der Wall Street-Banken.

Die Fed ist immer an Spekulationsblasen beteiligt

Die Zinsen sind in mehrfacher Hinsicht für die Akienbörsen von Bedeutung. Einerseits machen hohe Zinsen Anleihen attraktiv. Zumal ihr Kurs dann bei Zinssenkungen steigt.

Zum Anderen können sich Finanzinvestoren bei niederen Zinsen billig Geld leihen, um Aktien und Immobilien zu kaufen und damit eine attraktive Rendite zu erzielen. Man nennt dies Leverage – die Hebelwirkung, um mit niedrigen Fremdkapitalzinsen eine Erhöhung der Eigenkapitalverzinsung zu erreichen.

Das lohnt sich so lange, bis an den Finanz- und Immobilienmärkten riesige Spekulationsblasen entstanden sind, die schließlich mit Zinserhöhungen zum Platzen gebracht werden. Sobald Wertpapierkurse und Immobilienpreise fallen, ist der Traum zu Ende.

Signifikant diagnostizierte Alan Greenspan (91), der bereits legendäre frühere Fed-Präsident, erst vor wenigen Tagen: „Wir haben eine Blase an den Aktienmärkten.“ Das war eine Warnung. Denn schließlich war er es, der das Spiel mit dem Auf und Ab des Leitzinses 19 Jahre beherrschte und damit das Wechselspiel von Börsen-Hausse und -Baisse antrieb.