Donald Trump hat den Notstand für Florida ausgerufen

Mit Monsterböen und einer Regenflut hat der Hurrikan „Irma“ Florida mit voller Wucht getroffen. Eine Katastrophe historischen Ausmaßes. US-Präsident Donald Trump hat den Notstand ausgerufen. In Florida und auf Karibik-Inseln sind Todesopfer zu beklagen.

Autor: Wolfgang Freisleben

Mit Windgeschwindigkeiten von etwa 210 km/h ist das Zentrum des Hurrikans „Irma“ zunächst auf die südlichen Florida Keys getroffen. Diese Kette aus über 200 Koralleninseln hat eine Gesamtlänge von über 290 Kilometern. Sie liegen vor der Südspitze der Halbinsel Florida zwischen dem Golf von Mexiko und dem Atlantischen Ozean.

In der Nacht auf Montag traf der Wirbelsturm dann bei der Stadt Marcos Island am südwestlichen Zipfel Floridas (knapp 17 000 Einwohner) auf das Festland: Das aufgepeitschte Meer flutete die Straßen, bis zu fünf Meter hohe Wellen prallten auf die Küste. In vielen weiteren Städten stand das Wasser gleichfalls sehr hoch.

Die gut 20 Millionen Einwohner des US-„Sunshine State“ hatten sich mit Hamsterkäufen, Sandsäcken und aus Angst vor der Katastrophe auch Flucht gerüstet. Hunderttausende harrten in Notunterkünften voller Sorge um ihr Heim aus.

Lange Autokolonnen 2 Tage „davor“: Florida auf der Flucht vor „Irma“

Hurrikans gehören für viele zur Routine. „Irma“ aber nicht. Rund 6 Millionen Menschen waren daher aufgerufen worden, sich in Sicherheit zu bringen.Da wütete der Hurrikan noch über Kuba.

Wer sich trotz Evakuierungshinweisen entschieden hat, im Hurrikan zuhause auszuharren, ist dort womöglich längere Zeit zunächst auf sich selbst gestellt. Darauf hat Brock Long, der Chef des US-Katastrophenschutzes, hingewiesen.

Die Teams der Ersthelfer könnten erst nach ihrer Eigensicherung eingreifen und in Gebiete vorrücken, deren Einwohner zuvor ausdrücklich zur Abreise aufgefordert worden seien. Es ist nicht klar, wie viele Menschen in Florida der Aufforderung zur Evakuierung nicht gefolgt sind.

Irma“ fegte in der Nacht auf Montag mit extrem schweren Böen und starken Regenfällen über den US-Bundesstaat hinweg. In den Ausläufern des mächtigen Wirbelsturms entwickelten sich an der Ostküste allein innerhalb von einer Stunde 6 Tornados mit zerstörerischer Kraft.

Dabei bewegte sich Irma über die Westküste Floridas und zog dann etwas östlicher als erwartet weiter. An beiden Küsten sorgte der Tropensturm für weitreichende Überflutungen.

Mega-Sturm ließ auch den Ozean verschwinden

Die extreme Gewalt des Mega-Sturms sorgte aber auch für ein seltenes Natur-Schauspiel. Während der Hurrikan an der Ostküste Floridas gewaltige Verwüstung anrichtet, zeigt sich an der Westküste ein ganz anderes Bild, das „Focus-Online“ vermittelte.

In der Bucht von Tampa trieb der Hurrikan das Wasser weit zurück.  Video: Focus Online

In der Bucht von Tampa hat Irma nämlich den Ozean verschwinden lassen – und den Strand in eine Art Wüstenlandschaft verwandelt. Die Bewohner liefen ungläubig über den trockengelegten Meeresboden und machten Selfies. Vom Wasser fehlte jede Spur.

Irma war offenbar stark genug, die Grundstruktur des Ozeans zu beeinflussen. Laut Wetter-Experten hat das zwei Gründe. Zum einen kommen Irmas Sturmböen aus dem Osten, was zur Folge hat, dass Floridas Ostküste rund um Miami von Wassermassen überflutet wird.

Dagegen wird das Wasser auf der anderen Seite Floridas zunächst von der Küste weggedrückt. Das ist möglich, weil Irma breiter ist als Florida. Zum anderen herrscht im Auge Irmas ein gewaltiger Unterdruck, der das Wasser aus dem Ozean ansaugt und es dort versammelt.

Große Gefahr durch Sturmflut

Ist das Auge dann jedoch durchgezogen, kommt das Wasser sturmflutartig zurück, weil die Windrichtung um 180 Grad dreht. Das national Hurricane Center twitterte in Großbuchstaben: „MOVE AWAY FROM THE WATER“ und ermahnte die Bewohner Tampas, sich auf keinen Fall in der Nähe des Strandes aufzuhalten.

Bilder aus Fort Lauderdale (170 000 Einwohner) an der Ostküste Floridas und Naples (20 000 Einwohner) auf der Westseite zeigten gleichzeitig unglaubliche Wassermassen und Sturmfluten mit mehr als 4 Meter hohen Wellen. In Naples stieg der Wasserstand innerhalb von 90 Minuten um rund zwei Meter.

US-Präsident Donald Trump: Rief für den „Sunshine State“ den Notstand aus

US-Präsident Donald Trump rief für den „Sunshine State“ den Katastrophenfall aus, um Notfallhilfen des Bundes frei zu machen. Er bezeichnete den Sturm als Monster. Vize-Präsident Mike Pence betonte, die Menschen sollten die Katastrophe sehr ernst nehmen. Denn der Sturm sei von historischem und epischem Ausmaß. Video-Aufnahmen zeigen, wie ganze Straßenzüge tief unter Wasser stehen. 

Zuvor hatte der Hurrikan vor allem an der Westküste der Halbinsel gewütet. Dort wurden Dächer abgedeckt, Straßen überflutet und Bäume entwurzelt.

Umgeknickte Strommasten führten zu massiven Stromausfällen. Mehr als 3,3 Millionen Haushalte waren in der Nacht zum Montag ohne Strom. Es könnte Wochen dauern, bis die Elektrizitätszufuhr wieder vollständig hergestellt werden könne.

Am stärksten betroffen war der Südwesten des Bundesstaats.

Weil sich der Sturm in Florida mehr westlich in Richtung Golf von Mexiko verlagerte als erwartet, wurde das dicht besiedelte Gebiet rund um Miami nicht direkt getroffen. Doch weil der Wirbelsturm so riesige Ausmaße hat, war er auch in der Metropole an der Südostküste noch deutlich zu spüren: Drei Baukräne kippten um, auf den Wassermassen zwischen Bürogebäuden bildeten sich Wellen mit Schaumkronen.

Die Hochhäuser standen wie Inseln in den Fluten und schwankten im Sturm. „Man fühlt sich wie auf einem Schiff“, sagte der Bewohner eines Apartments im 35. Stock per Telefon.

Nach Angaben der Zeitung „Miami Herald“ stand das Wasser in den Straßen bereits am Sonntagabend (Ortszeit) rund einen Meter hoch. Auch das Bankenviertel Brickell war betroffen. Auf zahlreichen Bildern und Videos war zu sehen, dass heftige Stürme das Wasser in die Stadt drückten und große Straßen zu reißenden Flüssen machten.

Der Flugverkehr kam gänzlich zum Erliegen. Über 12.000 Flüge von und nach Florida wurden abgesagt.

Inzwischen hat der Wirbelsturm „Irma“ nach seinem verheerenden Zug über den Süden des US-Bundesstaates Florida hat an Kraft verloren. Der zeitweise als einer der stärksten Atlantikstürme überhaupt eingestufte Hurrikan nahm in der Nacht auf Montag (Ortszeit) mit vergleichsweise geringen Windgeschwindigkeiten von bis zu 135 Kilometern pro Stunde Kurs auf die Metropolen Orlando im mittleren Florida und Tampa.

Tampa Bay Area mangels Vorbereitung weitgehend ungeschützt

Besonders groß war die Sorge in der Tampa Bay Area. Sie liegt in einer Bucht des Golfs von Mexiko. In der Region münden mehrere Flüsse ins Meer. Das macht sie noch anfälliger für Überschwemmungen.

Experten hielten die Stadt und die umliegenden Bezirke für schlecht vorbereitet auf einen Hurrikan. Die Region wird das erste Mal seit Jahrzehnten von einem so heftigen Sturm getroffen werden.

Der Bürgermeister der Stadt richtete warnende und drastische Worte an die Bewohner. „Wir werden unseren eigenen Eindruck davon bekommen, wie die Hölle aussieht“, sagte Bob Buckhorn in einem CNN-Interview.

Das US-Hurrikan-Zentrum stufte indes den Wirbelsturm am Montag auf die Kategorie 1 zurück. Bis „Irma“ im Laufe des Tages den Norden Floridas und den Süden Georgias erreicht, dürfte es sich nur noch um einen Tropensturm handeln.

Todesopfer in Florida und auf Karibik-Inseln

Im Zusammenhang mit dem Hurrikan „Irma“ sind in Florida bislang mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Sturmböen und starke Regenfälle verursachten Verkehrsunfälle, bei denen zwei Männer und eine Frau ums Leben gekommen seien, teilten die Behörden am Sonntag mit.

Die Zahl der Todesopfer auf der niederländischen Karibik-Insel Sint Maarten hat sich auf vier erhöht. Zwei Tote waren am Sonntag von der Küstenwache gefunden worden, teilte der niederländische Premierminister Mark Rutte am Sonntagabend in Den Haag mit. Rund 40 Menschen waren verletzt worden, elf davon schwer.

Niederländische Militärs hatten am Wochenende Verletzte und Kranke auf die ebenfalls niederländische Karibikinsel Curacao ausgeflogen. Insgesamt sind in der Karibik nach inoffiziellen Schätzungen mehr als 20 Menschen durch den Hurrikan «Irma» ums Leben gekommen.