Die USA bringen Deutschland gegen Russland in Stellung

Das wahre Ziel der NATO ist, die USA in Europa, Russland draußen und Deutschland am Boden zu halten. Mit der Dämonisierung Russlands soll eine Verbindung zwischen Kapital und Ingenieurwissen aus Deutschland mit dem Rohstoffreichtum Russlands unter allen Umständen verhindert werden. Denn daraus würde sich die einzige Macht ergeben, die den USA gefährlich werden könnte.

Autor: Wolfgang Freisleben

Schon zweimal im 20. Jahrhundert hat sich Deutschland für verheerende Kriege gegen Russland bzw. die Sowjetunion instrumentalisieren lassen. Nunmehr hat sich Deutschland zum dritten Mal gegen Russland in Stellung gebracht. Erneut gegen den Willen der Bevölkerung.

Und nicht nur das. Diesmal muss die gesamte EU mitmachen. Weil es die USA so wollen. Wie immer wird dabei brutal gelogen und die Bevölkerung für blöd verkauft.

Seit Jahrzehnten wird die Geopolitik der USA in zahlreichen Denkfabriken, wie z.B. „Rand Corporation“, „Council on Foreign Relation“, „Atlantikbrücke“ vorgedacht. Ein führender privater Think Tank ist „Stratfor“ (Strategic Forcasting Inc), auch „Schatten-CIA“ oder „US-Geheimdienst“ genannt.

Geostratege George Friedman: Die Verbindung Deutschland-Russland ergäbe „die einzige Macht, die uns bedrohen könnte“

Dessen Gründer George Friedman, der auch die Firma „Geopolitical Future“ betreibt, nennt als Ziel der Vereinigten Staaten, eine Allianz zwischen Deutschland und Russland zu verhindern, um keine eurasische Konkurrenz entstehen zu lassen. Denn vereint wären diese beiden „die einzige Macht, die uns bedrohen könnte“: Kapital und Ingenieurkunst Deutschlands mit den russischen Bodenschätzen.

monisierung Russlands seit dem 2. Weltkrieg

Die Dämonisierung Russlands hat bereits kurz nach dem 2. Weltkrieg begonnen, in dem noch beide Seiten gemeinsam Deutschland niedergekämpft hatten. Mit der Gründung der NATO (North Atlantic Treaty Organization) am 4. April 1949 – knapp vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Ihr erster Generalsekretär Hastings Ismay, ein britischer Politiker und Diplomat, der als Baron in den erblichen Adelstand erhoben wurde, offenbarte denn auch den Zweck der Organisation:

„NATO’s goal is to keep the Russians out (of Europe), the Americans in and the Germans down“ – die Russen von Europa fern zu halten, die Amerikaner drinnen zu halten, und die Deutschen nieder zu halten.

Im Klartext bedeutet dies, dass die stärkste europäische Wirtschaftsmacht sowohl in der NATO wie auch in der sonstigen Weltpolitik nichts zu reden hat. Deutschland selber darf niemals führen oder seine eigenen Interessen durchsetzen, sondern muss sich immer den Anweisungen der US-Supermacht unterwerfen.

Europa bezahlt für den amerikanischen Machtwahn

Für den geopolitischen Machtwahn der amerikanischen Elite muss Europa empfindlich bezahlen. Die Russland-Sanktionen kosteten bisher Deutschland durch entgangene Exporte rund 500.000 Arbeitsplätze. Die EU verlor bisher insgesamt rund 100, Russland etwa 50 Milliarden Euro. Die USA, Großbritannien und Frankreich sind kaum betroffen.

Weltgrößter Energiekonzern ExxonMobil: Nur Russland steht dem Griff nach dem Gasreichtum der Ukraine im Weg (Photo nytimes)

Die EU zahlt auch für die Geschäftsinteressen der amerikanischen Energiekonzerne. ExxonMobil und Chevron wollen mit Sanktionen und vielleicht auch kriegerischen Auseinandersetzungen endlich die Ausbeutung der großen ukrainischen Gasfelder sowohl im Dnjepr-Donezk-Becken als auch im Scythian-Schelf vor der ukrainischen Küste im Schwarzen Meer erzwingen. Verträge gibt es bereits.

Doch in der Ost-Ukraine verhindern dies die Separatisten. Und auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim ist die russische Schwarzmeer-Flotte stationiert – gleichfalls ein Risiko.

Zumal die russische Regierung in Syrien und bei Manövern gezeigt hat, wozu sie fähig ist: Die Atommacht demonstriert bei jeder Gelegenheit militärische Stärke. Um nicht denselben Weg wie die UdSSR zu gehen, der mit Zerfall endete, ist sie zum handeln gezwungen.

Russlands Sorge um strategische Pufferzonen im Westen

Doch Russland hat im geopolitischen Schachspiel zwei große Schwächen. Die eine ist die wirtschaftliche, die sich in einer hohen Abhängigkeit von Rohstoffexporten – allen voran Öl und Gas – zeigt.

Die andere ist eine geographische, die Wladimir Putin versucht hat, wenigstens einzudämmen. Diese besteht darin, dass er im Westen eine Pufferzone aufrechterhalten muss, um das Risiko eines Angriffs von Westeuropa her abzuwenden.

Von dort wurde Russland nämlich in der Geschichte bereits dreimal angegriffen: Einmal von Frankreich und zweimal von Deutschland. In jedem Fall hat es wegen der strategischen Tiefe überlebt. Die baltischen Staaten, Weißrussland (Belarus) und die Ukraine hatten die Pufferzone geschaffen, die Russland den Rückzug und die Erschöpfung des Feindes ermöglichte.

Wetter und Distanz waren die größte Herausforderung für angreifende Armeen. Im 1. Weltkrieg konnte Deutschland die Landgewinne nicht halten. In den Napoleonischen Kriegen und im 2. Weltkrieg wurde der Feind niedergeschlagen und besiegt.

Nach dem 2. Weltkrieg expandierte Russlands Pufferzone enorm. Eine zweite Reihe von Nationen im Westen – Polen, Tschechoslowakei, Ungarn und Rumänien – geriet unter sowjetische Herrschaft. Die Sowjetmacht drang mit der DDR auch nach Mitteldeutschland vor. Zum ersten Mal in seiner Geschichte hatte es strategische Tiefe, so dass ein Angriff von Westeuropa her undenkbar war.

Aber die Ressourcen fehlten, um diese Vorteile zu festigen. Nach einem tiefen Einbruch der Rohstoffpreise brach die Sowjetunion zusammen. Zuerst verlor sie den tiefen Puffer Osteuropas und zwei Jahre später die kritischen Elemente seines Kernpuffers des Baltikums und der Ukraine.

Wird es in Europa wieder Kriege geben?

US-Flugzeugträger Ronald Reagan: USA kontrollieren wie keine andere Macht die Weltmeere    (U.S. Navy photo by Mass Communication Specialist 3rd Class Nathan Burke/Released)

George Friedman ist überzeugt, dass kein Ort auf der Welt friedlich bleiben wird. Europa werde zwar keine großen Kriege führen, aber zum menschlichen Normalfall zurückkehren – „es wird seine Kriege haben, seine Friedenszeiten, und es wird seine Leben verlieren.“

Weiter betonte er, dass die USA wie keine andere Macht alle Ozeane der Welt kontrolliere und daher weltweit intervenieren könne, ohne angegriffen zu werden. Diese Kontrolle, die die Macht der USA begründet, müsse aufrecht erhalten werden, indem der Aufbau einer feindlichen Flotte verhindert wird.

Als die baltischen Staaten der NATO beitraten, konnten die Russen nicht antworten. Aber die Ukraine war eine andere Sache. Sie wurde unabhängig und zunächst nicht vom Westen absorbiert. Sie bleibt aber ein kritischer Teil von Russlands Puffer.

Die Ukraine ist riesig, und die Kosten für eine militärische Durchquerung und Sicherung sind hoch. Als westliche Länder, insbesondere die USA, die Gründung einer prowestlichen Regierung in Kiew während der Orangenen Revolution 2014 unterstützten, wollte sie zugleich die russische Sicherheit untergraben.

Russland musste Stärke zeigen und annektierte die Krim

Die russischen Geheimdienste durchschauten den Aufstand in Kiew mit verdeckten Operationen aus dem Ausland nicht rechtzeitig. So konnte der demokratisch gewählte pro-russische Präsident Wiktor Janukowitsch gestürzt werden. Ihm blieb nur die Flucht nach Russland.

Um dennoch Stärke zu zeigen, unterstützte Russland die Separatisten in der Ost-Ukraine und annektierte die Halbinsel Krim, die aber ohnedies eine historisch russische Region ist. Das überzeugte die Amerikaner, dass Russland eine aggressive Macht sei.

USA und Europa könnten den Status quo akzeptieren, solange die Russen nicht aggressiv werden. Die Russen hatten einen Puffer gegen den Westen, und der Westen hatte einen Puffer gegen Russland.

Aber für Putin wird dies auf Dauer kaum akzeptabel sein. Denn die Ukraine war für russische Sicherheits-Interessen immer von entscheidender Bedeutung, und diese Lösung schrammte nur knapp an einer Niederlage vorbei. Zumal die USA neben CIA-Mitarbeitern und Militärberatern verlässliche Vertraute wie die amerikanische Staatsbürgerin Natalie Jaresko als Finanzministerin in politische Schlüsselpositionen in die Ukraine eingeschleust haben.

Militärische Stärke trotz wirtschaftlicher Einschränkung

Russische Kampfflugzeuge auf der Militärbasis Hmeimim: Einsatz in Syrien zum Beweis der militärischen Stärke

Als 2014 die Weltmarktpreise für Rohöl und Gas aus eigentlich unerfindlichen Gründen dramatisch eingebrochen waren, offenbarte sich die wirtschaftliche Schwäche. Russlands Wirtschaft brach ein, die Devisenreserven schmolzen – von 474,95 auf 317,03 Mrd. USD per November 2015 (November 2017: 355,52 Mrd. plus 76,12 Mrd. USD an Goldreserven).

Obwohl die Russen ihr Verteidigungsbudget verringern mussten galt es dennoch, militärische Macht zu demonstrieren. Dies fand dann in Syrien statt. Die Befestigung der beiden Militärbasen Tartus (Marine) und Hmeimim (Luftwaffe) und der massive Einsatz der Luftwaffe machte Russland in kürzester Zeit zu einem beachteten Mitspieler auf dem geopolitischen Schachbrett. Die Russen zeigten, dass sie den Vereinigten Staaten und der Türkei auf Augenhöhe zu begegnen fähig sind.

Als Beweis dafür kann angesehen werden, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan von Russland S-400-Luftabwehrraketen kauft statt Waffen vom Nato-Partner USA.

Die zweite risikoarme Aktion Russlands war eine alte sowjetische Strategie: Ihre nachrichtendienstlichen Kräfte in einer Destabilisierungs-Kampagne einzusetzen. Die Russen sind erfreut, dass sie einige in den USA überzeugt haben, sie würden Donald Trump kontrollieren. Dies erzeugt nicht nur Instabilität in den Vereinigten Staaten, sondern vermittelt auch ein Gefühl überwältigender, wenn auch verdeckter russischer Macht.

Natürlich hat sich das Kräfteverhältnis nicht geändert. Die amerikanische Macht ist ebenso intakt wie die russische. Russland hat allerdings erreicht, was es in Syrien und mit seiner Destabilisierungs-Kampagne erreichen wollte: Es erscheint stärker als je zuvor.