Die sichersten Länder für Ihren Urlaub

Die sichersten Länder für Ihren Urlaub. Ein Ranking des Weltwirtschaftsforums weist Finnland und Island als sicherste Reiseziele aus. Die Staaten am Persischen Golf wie Oman müssen wegen der Qatar-Krise gestrichen werden.

Autor: Wolfgang Freisleben

Hauptstadt Helsinki: Finnland als sicherstes Reiseziel an der Weltspitze

Die Finnen sind nicht nur Saunaweltmeister, sondern leben auch noch im sichersten Land der Welt. Dies ergab der „Travel & Tourism Competitiveness Report 2017“ des Weltwirtschaftsforums mit Sitz im Schweizerischen Genf, das regelmäßig die Länder der Welt hinsichtlich ihrer touristischen Wettbewerbsfähigkeit vergleicht. Und dabei auch analysiert, wo Reisende gefahrlos unterwegs sind.

Denn Urlauber wünschen sich neben Komfort, Kultur, Sport und Unterhaltung vor allem auch Sicherheit bei der Erholung. Und da gibt es weltweit jede Menge Irritationen: Terroranschläge von fanatischen Islamisten von Europa über den Nahen und Mittleren Osten bis zu den Philippinen. Und auch Diebstähle, Vergewaltigungen und andere Attentate, die nicht unter Terrorismus subsummiert werden.

Sicherheitsranking in einer umfassenden Studie

Die alle zwei Jahre erscheinende Studie der Schweizer Stiftung „World Economic Forum“ (WEF) analysiert zwar die touristische Wettbewerbsfähigkeit unter verschiedensten Gesichtspunkten. Sie erstellt aber auch ein „Sicherheitsranking“, bei dem es unter anderem um die Verlässlichkeit von Polizei geht, um Tötungsdelikte und die Kosten, die Kriminalität und Gewalt verursachen. Und natürlich vor allem um Terrorismus.

Doch die neueste Krise am Persischen Golf, in deren Mittelpunkt Saudi-Arabien und Qatar einander gegenüber stehen, zeigt, wie kurzlebig derartige Studien in Zeiten wie diesen sein können.

Vor Ausbruch dieser Krise galten die folgenden Staaten als die 20 sichersten Länder für Ihren Urlaub:

1 Finnland
2 United Arab Emirates (UAE)
3 Island
4 Oman
5 Hong Kong
6 Singapur
7 Norwegen
8 Schweiz
9 Ruanda
10 Qatar
11 Portugal
12 Luxemburg
13 Neuseeland
14 Österreich
15 Estland
16 Schweden
17 Slowenien
18 Spanien
19 Niederlande
20 Morokko

Weiters:

51 Deutschland
67 Frankreich
70 Italien
78 Großbritannien
84 USA

Aktuell würden allerdings die Anrainerstaaten der Arabischen Halbinsel am Persischen Golf herausfallen. Denn Saudi-Arabien hat die UAE und Oman in einen Konflikt mit Qatar hineingezogen, der am Rande einer militärischen Konfrontation eskaliert ist.

Unter dem Vorwurf, Qatar würde Terror finanzieren – was eigentlich bisher die Domäne just von Saudarabien war -, haben die Saudis gemeinsam mit den genannten Scheichtümern sowie Ägypten und Bahrain die Grenzen zu Qatar geschlossen sowie eine Reihe von Handelssanktionen und Reiseverbote erlassen.

Erdogan schickt bereits Soldaten, Putin interveniert

Der türkische Präsident Erdogan hat daraufhin die Verlegung von bis zu 3.000 weiteren türkischen Soldaten in die türkische Militärbasis im Emirat Qatar gebilligt.

Die Isolierung Qatars sei unmenschlich und widerspreche den islamischen Werten, sagte Erdogan am Dienstag in einer Rede vor Mitgliedern seiner Partei AKP. Die gegen Qatar ergriffenen Maßnahmen seien unannehmbar, sie kämen einem Todesurteil nahe.

Putin und Erdogan:

Das türkische Staatsoberhaupt wischte den Vorwurf Saudi- Arabiens beiseite, Qatar unterstütze islamistische Terroristen: „Qatar hat neben der Türkei die entschiedenste Haltung gegen die Terrororganisation Islamischer Staat eingenommen.“ Qatar werde mit einer Schmutzkampagne überzogen. Er forderte den saudischen König Salman auf, die Krise zu lösen.

Der Iran, Erzfeind Saudi-Arabiens, versorgt inzwischen Qatar über eine Luftbrücke mit Lebensmitteln. Und auch der russische Präsident Wladimir Putin hat sich eingeschaltet und versucht, in einem Telefonat mäßigenden Einfluss auf den saudischen König Salman auszuüben.

Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel warnt mit Blick auf Qatar: „Es besteht die Gefahr, dass aus dieser Auseinandersetzung ein Krieg werden könnte.“

Deutschlands Außenminister Siegmar Gabriel: Warnung vor Krieg am Persischen Golf

Die drei Regionalmächte Türkei, Saudi Arabien und Iran kämpfen derzeit um die Ausweitung ihres Einflusses im Nahen und Mittleren Osten und sind jeweils im syrischen Bürgerkrieg engagiert.

Deutschland im Sicherheitsranking weit abgeschlagen

Deutschland ist seit dem letzten WEF-Ranking im Jahr 2015 in puncto Sicherheit um 31 Plätze abgerutscht und landete diesmal auf Rang 51 – hinter Rumänien, Kuwait, Albanien, Polen und Tadschikistan.

Verantwortlich dafür waren zweifellos die Terroranschläge in München, Frankfurt, Düsseldorf, Bonn, Oberursel, Berlin, Hannover, Essen, Würzburg, Ansbach, Leipzig. Und natürlich die gefährdete Sicherheitslage durch die Infiltration einer unbekannt hohen Zahl von potenziellen Terroristen.

Noch schlechter bewertet wurden aus den gleichen oder ähnlichen Gründen Frankreich (Platz 67), Italien (70), Großbritannien (78) und die USA (84). El Salvador, Jemen und Kolumbien sind die Schlusslichter aller 136 bewerteten Länder.

Auswirkung auf das Reiseverhalten von kurzer Dauer

Anschläge mit terroristischem Hintergrund – etwa in Nizza, Paris, Berlin und Brüssel – hätten in der jüngeren Vergangenheit in West- und Südeuropa zwar für eine veränderte Wahrnehmung von Sicherheit gesorgt, schreibt das  WEF. Doch die Auswirkung auf das Reiseverhalten internationaler Urlauber sei zuletzt nur von kurzer Dauer gewesen.

„Bemerkenswerterweise ist das Tourismusaufkommen in Ländern wie Frankreich, Deutschland und Belgien nicht bedeutend gesunken“, heißt es im „Travel & Tourism Competitiveness Report 2017“. Doch unter die Top 10 in puncto Sicherheit haben es diese Länder dennoch nicht geschafft.

Die Spitzenposition belegt die Bundesrepublik lediglich in der Kategorie „Gesundheit und Hygiene“, den 7. Rang in der Kategorie „Umwelt und Nachhaltigkeit“, den 9. in Hinblick auf die touristische Infrastruktur, den 6. hinsichtlich kultureller Ressourcen und Geschäftsreisen. Geht es um die Internationale Offenheit, landet Deutschland immerhin noch unter den Top 20.

Spanien insgesamt vor Frankreich und Deutschland

Badestrand in Spanien: An der Spitze der Gesamtbeurteilung als Erholungsziel

 

Wegen des guten Abschneidens in anderen Kategorien liegt Deutschland in der Gesamtwertung der Tourismusanalyse auf Platz drei – nach Spanien und Frankreich. Diesen drei Ländern attestiert das WEF somit die beste touristische Wettbewerbsfähigkeit.

Spanien steht damit insgesamt zum zweiten Mal an der Spitze der TTCI-Weltrangliste 2017, gefolgt von Frankreich (2.), Deutschland (3.), Japan (4., gewinnt 5 Plätze), dem Vereinigten Königreich (5.), den USA (6., verliert zwei Plätze), Australien (7.), Italien (8.), Kanada (9.) und die Schweiz (10., vier Plätze verloren). Es folgen Hong Kong, Österreich (12.), Singapur, Portugal, China, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Südkorea und Schweden (20.)

Auswirkungen von Terroranschlägen und politischen Umbrüchen

Die Frage, welche Auswirkungen Terroranschläge und politische Umbrüche auf das Verhalten von Touristen haben, lässt sich nur schwer pauschal beantworten. Handelt es sich um ein einmaliges Ereignis und wird die Gefahr der Wiederholung als gering eingeschätzt, so ist höchstens mit relativ kurzen und geringen Rückgängen der Besucherzahlen zu rechnen. Dies zeigen die Beispiele von London 2005, Djerba (Tunesien) 2002 sowie Ägypten 2004.

Gelingt es einer Reiseregion, trotz wiederholter Attentate das Vertrauen in die Reisesicherheit aufrechtzuerhalten, so sind die Auswirkungen ebenfalls nur von begrenzter Dauer. Dies zeigt der langfristig ungebrochene Trend auf Bali, auch wenn die Erholungsphase hier bis zu zwei Jahren gedauert hat.

Nach Terroranschlag in Istanbul März 2016: Nachhaltige Auswirkung auf Tourismus

Touristen lassen sich also durch Anschläge nicht so leicht in ihrem Reiseverhalten beeinflussen. Erst wenn das Vertrauen in die Reisesicherheit nachhaltig erschüttert ist, was zum Beispiel auch durch politische Umbrüche geschehen kann, leidet der Tourismus in einem Land spürbar und dauerhaft.

Nach Terroranschlägen wie in Istanbul oder im tunesischen Badeort Sousse, bei denen viele Urlauber starben, ist die Verunsicherung jedenfalls groß. Die Besucher bleiben zunächst aus.

Die größte Branche der Welt ist jedenfalls ein sensibles Konstrukt: Je abhängiger die Volkswirtschaft eines Landes von den Besuchern aus dem Ausland ist, desto empfindlicher ist sie. Bricht der Tourismus zusammen, verschwinden Jobs, das Geld für Bildung, Gesundheit, Infrastruktur fehlt – und ein destabilisierter Staat bietet Angriffsflächen für Extremisten. Darauf setzen auch die Terroristen des „Islamischen Staats“ (IS).