Die EZB versucht das private Schuldgeldsystem zu retten

Die anhaltende Staatsschuldenkrise betrifft vor allem die Länder der Eurozone. Sie sind in einem Geldsystem gefangen, in dem die Geschäftsbanken durch die Kreditvergabe Geld „aus Luft“ erzeugen. Die EZB versucht das private Schuldgeldsystem zu retten. Sparer und Steuerzahler müssen die Kosten dafür tragen.

Autor: Wolfgang Freisleben

EZB-Tower in Frankfurt: Hort von immer mehr Euro-Staatsanleihen

Seit 2008 gibt es eine Staatsschuldenkrise. Vor allem in der Eurozone. Die Steuern bleiben dadurch hoch. Die Spareinlagen werden laufend entwertet, weil es dafür kaum mehr Zinsen gibt. Und die Europäische Zentralbank (EZB) kauft unbeirrt Staatsanleihen auf.

Das ist der Status quo. Von den Maastricht-Kriterien, wonach die Staatsschulden gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) 60 % nicht übersteigen dürfen, haben sich die meisten Länder für viele Jahre oder Jahrzehnte verabschiedet.

Der ökonomische Musterschüler Deutschland lag im Vorjahr über 68 %, Österreich sogar bei fast 85 %. Die Eurozone insgesamt war noch schlechter dran: 89,2 %. Die EU28 lag bei 83,5 %. Die EU-Staaten außerhalb der Eurozone reihen sich von Bulgarien mit 29,5% bis Ungarn mit 74,1 % deutlich darunter ein.

Was sagt uns das?

  1. Die Einheitswährung ist ein gefährliches Pflaster.
  2. Die undurchsichtige Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB) ist aufklärungsbedürftig.
  3. Mit dem Anheizen von Inflation, wie von EZB-Präsident Mario Draghi vordergründig behauptet, hat die Nullzins-Politik nur am Rande zu tun.
  4. Höhere Zinsen auf die Staatsschulden können sich die Euro-Staaten nämlich gar nicht leisten

EZB und Fed spielen Feuerwehr zur Rettung des Systems

Jedenfalls lässt sich erkennen, dass sich die EZB derzeit ebenso wie die US-Federal Reserve (Fed) und die Bank of Japan als monetäre Feuerwehr betätigt, um die brennenden Schuldengebäude der Staaten zu retten. Und mit diesen das Geldsystem insgesamt.

Zur Verdeutlichung: Die Schulden der EURO-Länder betragen knapp 10 Billionen (= 10000000000000) Euro. Für jeden Prozentpunkt mehr in der Zinsrechnung müssten sie also zusätzlich 100 Mrd. Euro jährlich bezahlen. Womit? Mit noch höheren Steuern?

Besonders gefährlich ist die Situation bereits für jene Länder wie Frankreich und Österreich, die für die Bezahlung der Zinsen bereits neue Kredite aufnehmen müssen. Denn damit stecken sie in der Zinseszinsfalle: Der Aufwand erhöht sich Jahr für Jahr exponentiell – also mit immer schnellerem Wachstum.

Aber wie lange wird es noch dauern, bis die Ökonomen endlich daran gehen, sich darüber Gedanken zu machen? In den aktuellen Arbeiten von Wirtschaftsforschern bis zu ehemaligen Wirtschaftsnobelpreisträgern findet die Rolle der Banken und der Geldschöpfung in der Weltwirtschaft nämlich überhaupt keinen Niederschlag. Obwohl es eine zentrale und für die Weltwirtschaft unersetzliche Funktion ist.

Bank of England: Hier wurde 1694 das private Schuldgeldsystem begonnen

Immerhin ist das Geldsystem schon Jahrhunderte alt. Und damit antiquiert und voller Fehler. Genauer: Es wurde 1694 mit der Gründung der Bank of England (BoE) von deren privaten Eigentümern gestartet. Seither hat sich das private Schuldgeldsystem wie ein Oktopus über die Welt ausgebreitet.

Ausbeutung von Menschen, Unternehmen und Staaten

Heute stammen 97 % der weltweiten Geldmenge im Umfang von etwa 218 Billionen Dollar aus der Geldschöpfung der privaten Geschäftsbanken im Wege der Kreditvergabe. So sind also fast 212 Billionen Dollar aus dem Nichts entstanden – aus Luft.

Einfach durch eine Buchungszeile auf den Computer-Bildschirmen der Banken. Die unbeschränkte Geldschöpfung zur Ausbeutung von Menschen, Unternehmen und Staaten.

Lediglich die restlichen 3 % stammen von Zentralbanken. Diese sind nichts weiter als die Vehikel der internationalen Großbanken, die das Spiel am Laufen halten, indem sie eine öffentlich sichtbare machtvolle Funktion vorgaukeln, die sie gar nicht praktizieren.

Die wahre Geldschöpfung der Geschäftsbanken war Jahrhunderte lang ein streng gehütetes Geheimnis. Verschleiert durch die von der ökonomischen Wissenschaft verbreitete Theorie, dass jede Bank als „Intermediär“ die Spareinlagen ihrer Kunden als Kredite weitergibt.

Bewiesen wurde das nie. Wäre auch nicht gegangen. Denn die Theorie entspringt lediglich der Phantasie und ist falsch. Sie dient dazu, der Allgemeinheit Sand in die Augen zu streuen.

Es ist daher skandalös, dass die Professoren an den Universitäten weiterhin Unsinn verzapfen. Und dafür auch noch bezahlt werden. Das gleiche gilt für die Spitzen der Zentralbanken, die wider besseres Wissen die Wahrheit verschleiern. Aber vielleicht sind sie einfach nur dümmer als wir glauben?

Als die Bank of England am Lügengebäude rüttelte

Die erste Zentralbank, die dieses Lügengebäude niedergerissen hat, war 2014 just die Bank of England, die Urmutter des Schuldgeld-Systems. Allerdings war das kein freiwilliger Akt.

Hat erstmals Geldschöpfung durch Kredit nachgewiesen: Finanz-Professor Richard Werner

Er resultierte vielmehr aus der Gefahr, womöglich öffentlich düpiert zu werden. Und zwar durch eine Studie des deutschen Finanz-Professors Richard Werner von der Universität Southampton, der weltweit als Erster seine Verpflichtung als Hochschullehrer ernst nahm und der Geldschöpfung in der westlichen Welt auf den Grund ging.

Um zu vermeiden, von der vereinigten Kollegenschaft desavouiert zu werden, leistete er sich ein kühnes Spektakel. Er zog mit einem Filmteam der englischen öffentlich-rechtlichen TV-Gesellschaft BBC zu 3 verschiedenen deutschen Banken, um den Prozess der Geldentstehung nachzuweisen, wie er in den Büchern von Geschäftsbanken dokumentiert wird.

Und siehe da: Unumstößlich konnte er anhand der Buchungen in den Banken sowohl auf deren eigenen Konten als auch auf jenen der Kunden filmisch dokumentieren, dass durch die Kreditvergabe der Geschäftsbanken frisches Geld entsteht: Geld aus dem Nichts; aus Luft! Daher auch Fiat-Geld genannt. Abgeleitet vom lateinischen „fiat“ = es werde.

Banken verwenden also zur Kreditvergabe weder Spargelder noch sonstige vorhandenen Geldeinlagen. Sondern lediglich einige Worte und Zahlen auf dem Computerbildschirm. So wie Zentralbanken auch.

Das hat sich in der englischen Finanzszene natürlich wie ein Lauffeuer verbreitet, so dass sich die BoE gezwungen sah, einer Veröffentlichung der solcherart unumstößlichen neuen Erkenntnisse der Finanz-Professors aus Southampton zuvor zu kommen. Im Quartalsbericht vom März 2014 lüfteten daher 3 Autoren das bis dato streng gehütete Geheimnis der wahren „Geldschöpfung im Geschäftsbankensystem“:

97 % der weltweiten Geldmenge, repräsentiert durch die Schulden in Höhe von fast 220 Billionen US-Dollar, sind durch die Kreditvergabe der Geschäftsbanken „aus Luft“ entstanden. Und nur 3 % wurden von Zentralbanken erzeugt.

Studie des Finanz-Professors Richard Werner als Offenbarung

Als dann die Studie von Richard Werner darüber hinaus penibel darlegte, wie sich die Geldentstehung durch Kredit abspielt, war das Geheimnis endgültig keines mehr.

Capitol in Washington: Geldschöpfung der Banken schon Anfang der 1930er Jahre im Senat offen gelegt

Die Offenbarung wird allerdings von anderen Zentralbanken, Universitäten und Medien weltweit einfach ignoriert. Diese Ignoranz kann nur der Dummheit entspringen oder der Absicht, die Wahrheit weiterhin zu verschleiern.

Denn erstmals aufgedeckt wurde diese Art der Geldschöpfung bereits Anfang der 1930er Jahre in den USA. Als führende Banker in Senats-Hearings in Washington zu den Ursachen des Börsen-Krachs 1929 befragt wurden. Heraus kam, dass der Grundstein dafür durch die hemmungslose Gelderzeugung der Banken für Spekulationszwecke gelegt wurde.

Der berühmte amerikanische Autokonstrukteur Henry Ford argwöhnte daher 1946: „ Wenn die Menschen wüssten, wie Geld entsteht, gäbe es eine Revolution schon vor dem nächsten Morgen“. Diese ist allerdings bisher ausgeblieben. Warum? Weil niemand davon wusste.