Deutsche Medien unter Einfluss amerikanischer Netzwerke

Deutsche Medien stehen massiv unter Einfluss amerikanischer Netzwerke. Das ergab eine Studie Schweizer Wissenschafter. Im Zentrum steht die Atlantik-Brücke – die Connection zu den 200 reichsten Familien Amerikas.

Autor: Wolfgang Freisleben

Journalisten erklären uns die Welt, beeinflussen unsere Meinung, machen Politik. Wer aber erklärt den Journalisten die Welt, beeinflusst ihre Meinung und macht somit Politik?

Öffentlicher Vorwurf Lügenpresse: Bis hinein in die höchsten Gremien der Öffentlich-Rechtlichen

Deutsche Medien haben seit einigen Jahren ein ausgesprochenes Problem mit der Glaubwürdigkeit. Sie mussten sich sogar öffentlich dem Vorwurf einer „Lügenpresse“ stellen. Das ging hinein bis in die obersten Gremien der öffentliche-rechtlichen TV-Anstalten. Und die Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ stellte sich dem Problem sogar in einem Aufmacher auf Seite 1.

Es war die Zeit der Ukraine-Krise und der damals intensiven Berichterstattung in den westlichen Medien nach dem Sturz des – übrigens demokratisch rechtmäßig gewählten – Präsidenten Wiktor Janukowytsch. Und den ab Februar 2014 daraus erwachsenen „Folgeschäden“ für die Ukraine:

Eingliederung der Halbinsel Krim in die Russische Föderation am 18. März 2014. Und der von Russland unterstützte Aufstand in den ostukrainischen Oblasten Donezk und Luhansk, der bis heute anhält.

Enge Einbindung in transatlantische Netzwerke

Für Zweifel an der Objektivität und damit Glaubwürdigkeit der Berichterstattung deutscher Medien gibt es indes durchaus Berechtigung: Die besonders enge Einbindung von Top-Medienmachern in transatlantische Netzwerke mit US-Organisationen.

Eine Analyse darüber hat ein politisch und publizistisch unabhängiges wissenschaftliches Forscherteam in der Schweiz in eigener privater Initiative und ohne Beauftragung oder Fremdfinanzierung erstellt. „Swiss Propaganda Research“ war zunächst ein Forschungs- und Informations­­projekt zu geopolitischer Pro­pa­ganda in Schweizer Medien. Dann folgte die Untersuchung über die Verquickung von Top-Journalisten in den führenden deutschen Medien mit amerikanischen Interessen.

Mitgliedschaft unabhängiger Journalisten bei der Lobbyorganisation unvereinbar

Eine der Schaltstellen im Machtkreis der deutschen Medien ist die Atlantik-Brücke. Hinter diesem Namen verbirgt sich die wohl mächtigste und einflussreichste Lobbyorganisation der USA. Deren Mitgliedschaft mit der Unabhängigkeit von europäischen Journalisten, die sich der Objektivität verpflichtet haben, wegen der programmierten Interessenkollision absolut unvereinbar ist.

Die folgende Infografik gibt einen Überblick über die Verankerung der wichtigsten Akteure deutscher Medien in amerikanischen Netzwerken:

Anmerkungen zu den Buchstaben-Kennzeichnungen:
A) Arte ist eine Kooperation zwischen ARD, ZDF und France Télévisions. B) Gruner + Jahr gehört zu Bertelsmann. C) Corporate Partner der Atlantik Brücke. E) Ehemaliges Mitglied der Atlantik Brücke oder der Trilateralen Kommission. F) Unterzeichner eines Offenen Briefes der ‚“Mitglieder und Freunde“ der Atlantik-Brücke zum Irak-Krieg 2003. G) Gast. H) Die Verlagsgruppe Handelsblatt und „Die Zeit“ gehören zu Holtzbrinck Publishing. P) Phoenix ist eine Kooperation zwischen ARD und ZDF. R) Redner, Referent oder Moderator an einem Anlass der Atlantik Brücke. S) Der Spiegel ist zu 50,5 % im Besitz der Mitarbeiter. G+J besitzt eine Sperrminorität von 25,5 %. T) 3Sat ist eine Kooperation zwischen ARD, ZDF, SRF und ORF. V) Erhielt 2008 den Vernon A. Walters Award der Atlantik-Brücke für Verdienste um die deutsch-amerikanischen Beziehungen. Y) Atlantik-Brücke Young Leader.
(Leerer Pfeil/gestrichelte Linie: Indirekte, informelle, teilweise oder ehemalige Beziehung.)

Namen der abgebildeten Personen und Anmerkungen zu ihren Funktionen:
1: Thomas Ebeling, W ProSiebenSat1 Media; 2: Hubert Burda, Verleger Hubert Burda Media; 3: Paul-Bernhard Kallen, W Hubert Burda Media; 4: Friede Springer, Verlegerin Axel Spring 5: Mathias Döpfner, W Axel Springer; 6: Thomas Rabe, W Bertelsmann; 7: Liz Mohn, Aufsichtsrätin Bertelsmann, 8: Julia Jäkel, W Gruner+Jahr; 9: Theo Sommer, ehem. CR und Herausgeber Die Zeit; 10: Matthias Naß, ehem. stv. CR und internationaler Korrespondent Die Zeit; 11: Josef Joffe, Herausgeber Die Zeit; 12: Jörg Schönenborn, Fernsehdirektor WDR; 13: Tom Buhrof, Intendant WDR; 14: Ulrich Wilhelm, Intendant BR; 15: Peter Frey, CR ZDF; 16: Elmar Theveßen, Leiter Aktuelles und stv. CR ZDF; 17: Dieter von Holtzbrinck, Verleger DvH Medien; 18: Stefan von Holtzbrink, Verleger Holtzbrinck Publishing Group; 19: Gabor Steingart, W Verlagsgruppe Handelsblatt; 20: Sven Afhüppe, CR Handelsblatt; 21: Jörg Quoos, CR Funke Zentralredaktion, ehem. CR Focus; 22: Stefan Kornelius, Leiter Außenpolitik Süddeutsche Zeitung; 23: Klaus-Dieter Frankenberger, Leiter Außenpolitik FAZ.

Weitere Mitglieder der Atlantik-Brücke:
24: Kai Diekmann, ehem. CR Bild-Zeitung; 25: Ingo Zamperoini, Moderator Tagesthemen; 26. Tina Hassel, Leiterin ARD-Hauptstadtstudio und ehem. Auslandschefin WDR; 27: Thomas Roth, ehem. Moderator Tagesthemen, Studioleiter New York und Moskau; 28: Georg Mascolo, Leiter Rechercheverbund NDR/WDR/SZ, ehem. CR Der Spiegel; 29: Claus Kleber, Moderator ZDF heute-journal; 30: Theo Koll, ehem. Leiter ZDF Hauptredaktion Außenpolitik und Moderator Auslandsjournal.
CR=Chefredakteur, W=Vorstandsvorsitzender.

Gründung im Jahr 1952 mit eindeutigen Lobbyismus-Absichten

Die Atlantik-Brücke wurde von den beiden Bankiers und Lobbyisten John McCloy und Eric M. Warburg als private Organisation in den USA gegründet und ist eine der ältesten Verbindungen von Finanzwelt, Grossindustrie, Militärs, Politik, Geheimdienst und Journalismus.

Der Hamburger Warburg war als deutscher Jude 1938 in die USA geflohen und 1945 als amerikanischer Soldat nach Europa zurückgekehrt. Zusammen mit anderen Hamburgern wie Marion Gräfin Dönhoff, der ersten Herausgeberin der Wochenzeitung „Die Zeit“, formierte Warburg den deutschen Zweig der Atlantik-Brücke als überparteiliche Organisation, die fortan und für immer persönliche Beziehungen zwischen Deutschland und den USA stärken sollte.

Um eine Mitgliedschaft in der Atlantik-Brücke bewirbt man sich nicht – man wird dazu aufgefordert. So mag die Zahl von knapp 500 Mitgliedern gering erscheinen, ihr Einfluss aber gilt als höchst bedeutend. Die Atlantik-Brücke wird daher von allen großen deutschen Unternehmen unterstützt.

Die Namensliste von Vorstand und Kuratorium liest sich wie ein Who is Who von Politik und Wirtschaft. Und auf der anderen Seite des Atlantiks engagieren sich nicht weniger einflussreiche Gesprächspartner.

Durchsetzung amerikanischer Interessen als Ziel

Haus der Atlantik Brücke in Berlin: Gute Kontakte zu den 200 reichsten Familien Amerikas

Als primäres Ziel wird dem Netzwerk die Durchsetzung US-amerikanischer Interessen durch eine gezielte Einflussnahme auf medien-, finanz-, wirtschafts-, bildungs- und militärpolitische Angelegenheiten nachgesagt.

Der frühere Vorstands-Chef (2000-2005) der Atlantik-Brücke, Arend Oetker, traf wohl den Nagel auf den Kopf als er offenbarte: „Die USA wird von 200 Familien regiert und zu denen wollen wir gute Kontakte haben“.

Dass von den Aktivitäten wenig in der Öffentlichkeit bekannt wird, ist Absicht. Es ist kein Verein, der nach außen wirken will. Vielmehr wird in aller Stille agiert, was dem Verein zuweilen das Image eines Geheimbundes verleiht – und den Ruf eines elitären Clubs.

Jeder will dazu gehören und belohnt werden

Es geht aber nicht nur um Geschäfte, sondern auch um persönliche Vorteile, Karriere, aber auch Egoismus und Eitelkeiten. Auch bei den Medien-Machern. Jeder will dazu gehören. Und dann belohnt werden.

Zeit-Herausgeber Josef Joffe: Lieber angepasster Karrierist als widerspenstiger Kritiker

Josef Joffe, derzeit Herausgeber der „Zeit“, darf sich beispielsweise neben seiner Mitgliedschaft in der Atlantik-Brücke im Nebenjob mit einer gut dotierten Gast-Professur an der amerikanischen Elite-Universität Harvard schmücken. Was Redakteure bisweilen nicht daran hindert, im Blatt-Inneren dann das Gegenteil von dem zu schreiben, was der Herausgeber auf Seite 1 pflichtschuldigst vorgegeben hat.

Dass Joffe auch als Mitglied des exklusiven und einflussreichen Polit-Zirkels Council on Foreign Relations (CFR) mit Sitz in New York und Washington aufscheint, dürfte seiner Objektivität gleichfalls nicht gerade zuträglich sein.

Schließlich will man ja dort nicht als widerspenstiger Kritiker im Abseits stehen, sondern als bestens angepasster und loyaler Karrierist. Da lässt sich auch der Vorwurf der Amerika-Hörigkeit in der Heimat leichter ertragen. Soviel zur Objektivität des Zeit-Herausgebers.

Doch das Problem mit der Glaubwürdigkeit ist nicht auf Joffe allein beschränkt sein. Denn die Anzahl der „Atlantiker“ in der deutschen Medienbranche ist eindrucksvoll groß.

Besonders eng ist auch die transatlantische Verbindung der Bild-Zeitung. Kai Diekmann war nicht nur als Chefredakteur der „Bild“ bei die Axel Springer AG tätig, sondern gleichzeitig auch im Vorstand der Atlantik-Brücke – was dem Leser natürlich bewusst verschwiegen wurde.

Sitz des Council on Foreign Relations in New York: Jahrzehnte lang von David Rockefelelr gelenkt

Dass die Mitgliedschaften in den Organisationen Council on Foreign Relations, Bilderberger und Trilateral Commission gleichfalls eine Rolle spielen, wischt den Anstrich von Unabhängigkeit und Objektivität vollends weg. Denn in diesen ging es zumindest zu Lebzeiten des Jahrzehnte lang als Vorsitzender dominierenden reichsten Amerikaners David Rockefeller um nichts Geringeres als die Weltherrschaft des Großkapitals.

Dieses Eingeständnis unterstrich der am 20. März 2017 im 101. Lebensjahr mit dem 7. Herz und der 3. Niere verstorbene letzte Tycoon Amerikas in seiner Autobiographie „Erinnerungen eines Weltbankiers“: „Wenn das die Anklage ist, dann bin ich schuldig und ich bin stolz darauf.“