Angriff der Wall Street auf Europas Banken

Das amerikanische Banken-Syndikat ist in Europa weiter auf dem Vormarsch. Nach der Spitzenstellung als Gläubiger der EU-Staaten drängen die Amerikaner jetzt die europäischen Banken immer weiter an den Rand. Es ist ein konzertierter Angriff der Wall Street auf den europäischen Finanzmarkt.

Autor: Wolfgang Freisleben

In einer neuen Statistik der Nachrichtenagentur Bloomberg wird der Platz für Europas Banken immer kleiner. Sie verlieren im globalen Wertpapierhandel gegenüber den US-Konkurrenten weiter an Boden. Die größten US-Banken konnten ihre Führungsposition ausweiten und verfügen nun über einen Marktanteil von knapp über 60 Prozent weltweit. Zum vierten Quartal 2016 wiesen die Bloomberg-Zahlen noch Werte von knapp unter 60 Prozent aus.

Deutsche Bank: Zur Hälfte bereits im Auslandsbesitz

Überraschend an der Statistik ist, dass unter allen europäischen Banken nur jenes Institut eine Ausnahme darstellt, das im Vorjahr aufgrund seines Rechtsstreits mit den USA hauptsächlich Negativschlagzeilen produziert hat: die Deutsche Bank. Sie hat es im globalen Handel sogar geschafft, Marktanteile zu gewinnen. Derzeit liegt sie hinter Morgan Stanley, Goldman Sachs und JP Morgan auf dem vierten Platz in der Aktienhandel-Rangliste, in die auch der Derivatehandel eingerechnet ist. Gefolgt von Bank of America, Credit Suisse, UBS, Citigroup und Nomura. Im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren (Fixed-Income) liegen JP Morgan, Citigroup und Bank of America vor der Deutschen Bank; dahinter folgen Goldman Sachs, HSBC, Barclays, Morgan Stanley und BNP Paribas.

Institutionelle Großaktionäre sind eng miteinander vernetzt

Ein Blick auf die größten (institutionellen) Aktionäre zeigt allerdings, dass die Deutsche Bank zur Hälfte bereits im Auslandsbesitz steht, der sie durch idente Aktionäre als eng verbunden mit den amerikanischen Konkurrenten ausweist. Tatsächlich finden sich an der Aktionärsspitze immer wieder dieselben Namen:

JPMorgan Chase: Marktführer im Wertpapier- und Derivatehandel

Bei JP MORGAN CHASE: Vanguard Group, Inc. (The), State Street Corporation, Capital World Investors, BlackRock, FMR (Fidelity).

CITIGROUP: Vanguard, State Street (mit SPDR S&P 500 ETF), Fidelity.

BANK OF AMERICA: Vanguard, State Street, Capital World Investors, BlackRock, FMR (Fidelity).

DEUTSCHE BANK: Vanguard, BlackRock (u.a. mit iShares), Fidelity.

GOLDMAN SACHS: Vanguard, State Street, Dodge & Cox.

MORGAN STANLEY: Vanguard, State Street, BlackRock, Fidelity.

Die genannten Aktionäre gehören zur Gruppe der Schattenbanken. Jener privilegierten „Finanztresore“, die unverständlicherweise weltweit im Finanzgeschäft alles machen dürfen – auch Bankgeschäfte ohne Bankkonzession. Und natürlich bevorzugt mit steuersparenden Niederlassungen in Steueroasen.

Weltweit verfügen sie über Kapital von insgesamt 75 – 80 Billionen Dollar. Die „Big Four“ BlackRock, Vanguard, State Street und Fidelity investieren 12 Billionen vor allem in Beteiligungen an attraktiven Konzernen. Das gleiche gilt für die größten 15, die mehr als 25 Billionen Dollar investiert haben. Sie alle sind dicht miteinander vernetzt und aneinander beteiligt (siehe Buch: Das Amerika Syndikat).

Fed New York: Private Zentralbank

Wettbewerbsvorteil für die Wall Street-Banken

Dabei haben die Großbanken aus Übersee einen grundlegenden Wettbewerbsvorteil: Während die europäischen Banken die strengen Regulierungen ernst nehmen müssen, geht es in New York laxer zu. Was kein Wunder ist. Denn die Federal Reserve Bank of New York, die einzig wichtige der 12 regionalen Federal Reserve Banken der USA, gehört als Aufsichtsbehörde den Bankriesen der Wall Street. Sie ist wie die übrigen 11 Fed-Banken somit eine private Noten- und Zentralbank. „Federal“, also im Staatsbesitz, waren sie seit der Gründung 1914 nie.

Den europäischen Banken setzt hingegen die Europäische Zentralbank (EZB) über die nationalen Zentralbanken immer engere Daumenschrauben an, um die vom Basler Ausschuss bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) vorgegebenen Regulierungen „Basel III“ zu erfüllen. Deren Sinnhaftigkeit sich im Übrigen noch nicht erwiesen hat. Daher wird schon an „Basel IV“ gebastelt.

Ein weiterer Wettbewerbsvorteil ergibt sich dadurch, dass die amerikanischen Großbanken zwar mit ihren betrügerischen Wertpapieren 2008 die europäischen Banken ins Wanken gebracht haben, aber mit Staatshilfe und der bedingungs- und grenzenlosen Unterstützung der Fed-Banken – in Summe mehr als 12 Billionen Dollar – gut über die Runden kamen und seit 2009 schon wieder fette Gewinne einfahren.

Auch die gesamte Marktregulierung im Wertpapier- und Derivatehandel ist gegenüber Europa, wo komplizierte Regulierungsvorgaben als Heilslehre aufgefasst werden, bedeutend laxer. Der neue US-Präsident Donald Trump hat zudem bereits angekündigt, die Regulierungen für die Wall Street noch weiter zu lockern.