Wer die Schulden kontrolliert, kontrolliert Europa

Das Amerika-Syndikat besteht aus einer Gruppe von Großbanken aus New York wie JP Morgan Chase, Citigroup, Bank of New York Mellon, Goldman Sachs, Morgan Stanley etc. Sie sind gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Syndikats die größten Gläubiger der EU. Diese Syndikatsbanken werden von identen institutionellen Investoren beherrscht: „Schattenbanken“ wie die „Big Four“ BlackRock, State Street, Vanguard und Fidelitiy, die über Kapital in Höhe von insgesamt rund 20 Billionen Dollar verfügen. Alle Schattenbanken weltweit werden auf Vermögen von insgesamt rund 75 Billionen Dollar geschätzt. Sie machen zwar Bankgeschäfte, unterliegen aber nicht den strengen Regulierungen und Aufsichtsbehörden wie die Geschäftsbanken.

Autor: Wolfgang Freisleben

Die gleichen Aktionäre kontrollieren auch die Ratingagenturen, die somit Schwestergesellschaften und Komplizen dieser Syndikats-Banken sind. Sie sind verantwortlich für die Finanzkrise mit dem Crash im September 2008 und der nachfolgenden Finanz- und Staatsschuldenkrise in Europa. Das Syndikat ist aber auch Profiteur der Krise mit Rekordgewinnen ab 2009.

Die größten dieser Schattenbanken sind nicht nur an den Banken, sondern über Kreuz auch aneinander beteiligt, wodurch sich ein richtiges Netzwerk von Beteiligungen ergibt. Hinter dem Syndikat steckt also ein regelrechtes Finanzkartell, dessen Kapitaleigner wiederum im Schatten verborgen sind. Dieses Finanzkartell übt als Hauptgläubiger der Euro-Staaten enormen politischen und wirtschaftlichen Einfluss aus. Es dominiert neben der Finanzwirtschaft ganze Industrie-Branchen sowie die größten amerikanischen Rüstungs- und Medienkonzerne.

Der politische Einfluss wurde im November 2011 deutlich sichtbar, als Silvio Berlusconi, der Regierungschef von Italien, und der griechische Premierminister George Papandreou zum Rücktritt gezwungen und durch Handlanger der Gläubigerbanken ersetzt wurden. Völlig undemokratisch, wie in einer Diktatur. In Italien war das Mario Monti, seit 2005 im Verwaltungsrat von Goldman Sachs, in Griechenland der damalige Goldman Sachs-Mitarbeiter Loukas Papadimos. Bei den nächsten demokratischen Wahlen fielen diese erzwungenen Regierungschefs hochkantig wieder hinaus.

Wie weit reicht diese Macht?

Ökonomisch haben Systemanalytiker der ETH-Zürich nachgewiesen, dass 147 Finanzkonzerne 40 Prozent der 43.060 Transnationalen Konzerne (TNCs) kontrollieren, bei denen die Fäden von weiteren 400.000 weltweit verstreuten Unternehmensbeteiligungen und identifizierbaren Beteiligten zusammenlaufen. 80 Prozent davon stecken in einem Beteiligungsnetzwerk von 737 Konzernen. Die im Buch aufgelisteten Top 50 haben bereits eine kumulierte Kontrolle in diesem Netzwerk von 40 Prozent. Die zugrundegelegten Daten stammen allerdings aus dem Jahr 2007. Damals war die Londoner Großbank Barclays die Nummer Eins auf der ETH-Liste und damit auch die mächtigste Bank der Welt. Nach 2008 lagerte Barclays die Beteiligungen zu ihrem Satelliten BlackRock aus. Diese Schattenbank ist mit einem ausgewiesenen Vermögen von rund 4,6 Billionen Dollar das weltweit reichste Finanzinstitut. Die Eigentümer des dort gebunkerten Kapitals sind hinter dem Vorhang der Anonymität verborgen. BlackRock ist seit einigen Jahren auch der größte Aktionär der 30 größten deutschen Konzerne, die im Leitindex DAX an der Frankfurter Börse zusammengefasst sind. Da Barclays auch zu den größten Gläubigern des deutschen Staates zählt, hat allein diese Bank gemeinsam mit BlackRock schon einen beherrschenden Einfluss in der größten Volkswirtschaft Europas. Das Bankensyndikat insgesamt hat einen ebensolchen Einfluss im gesamten Euroraum.